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Der große Franzis Radiobaukasten
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08.10.16 15:21
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

08.10.16 15:21
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

Der große Franzis Radiobaukasten

Hallo,

hier möchte ich euch mal den großen Franzis Radiobaukasten vorstellen...

Einleitung:

Im Jahr 2013 erschien ein Baukasten von Franzis, der sich mit dem Bau von Radios beschäftigt. Diesen Kasten habe ich mir schenken lassen, und werde ihn hier vorstellen. Ich werde sehr streng an die Vorstellung rangehen, aber gleichzeitig versuchen fair zu sein. Der Baukasten wurde geplant, nachdem Dr. Martin Müller bei einem Bastelwettbewerb gewonnen hat, bei dem die Aufgabe darin bestand, mit einem IC eine möglichst kreative Schaltung zu entwickeln. Wie bereits gesagt gewann Herr Müller, und durch die hervorragende Leistung seines Beitrages bekam er das Angebot, einen solchen Kasten zu entwickeln - welches er wahr nahm. Ich möchte hier hinzufügen, das mir gesagt wurde, als ich meine Beiträge versuchte bei Franzis attraktiv zu machen, das bereits ein ähnliches Projekt in Arbeit sei, und ich bin mir auch ganz sicher, das hiermit der Radiobaukasten gemeint war. Daher werte ich, wie oben bereits erwähnt, sehr streng. Es ist äußerst fragwürdig, ob es in Zukunft, oder wenigstens in absehbarer Zeit weitere Radiobaukästen gibt, da, wie euch sicher bewusst ist, derzeit alle offiziellen analogen Sender abgeschalten sind, von Langwelle bis Kurzwelle und diverse fortschritliche Technologien (SDR, DSP und co) Heutzutage in der Radiotechnik dominieren. Natürlich besteht die Möglichkeit, das Radiostationen in den HF Bändern wieder reaktiviert werden, meine Bericht bezieht sich aber auf das Heutige Datum.

Der Franzis Radiobaukasten im Überblick:

Hier seht ihr den fertig aufgebauten Radiokasten in geschlossenem Zustand


Der Baukasten ist im Prinzip aus Pappe, jedoch macht er trotz der "nur Pappverpackung" ordentlich was her. Scheinbar ist die Pappe mit einer Art Lack überzogen, so fühlt sich das Material hochwertiger an, und da ich meinen Baukasten bereits eine Weile besitze, und ihn wirklich viel hergenommen habe kann ich die Aussage bezüglich gutem Material nur noch einmal unterstreichen. Es gibt kaum Abnutzungserscheinungen am dem Gehäuse. Der Karton wird über einen Magnet-Klappverschluss zusammengehalten, und wird durch Aufklappen geöffnet, dafür gib´s am Karton unten auch eine Lasche, an der man ziehen kann, falls man den Karton so nicht aufbekommen sollte. Am Karton befinden sich neben den Anschlüssen für Antenne und Erde auch diverse Einstellregler. So gibt´s einen Drehkondensator mit dem man die Senderwahl vornehmen kann, und 2 Potentiometer - eines davon verfügt zusätzlich über einen Schalter.

Geöffnet sieht der Baukasten wie folgt aus:



Die Bauelemente kann man eigendlich auch in den Tüten aufbewahren, die mitgeliefert wurden, dann ist das ganze um einiges ordentlicher, allerdings habe ich diese nicht aufgehoben. Bei meinem Kasten fehlen mittlerweile auch einige Bauelemente (allerdings nur Kondensatoren, Widerstände, keine Spezialteile) daher sind auf dem Foto nicht alle zu sehen. Aber ob da jetzt ein paar C´s und R´s mehr sind, oder weniger denke ich tut nichts zur Sache.

Nach dem öffnen des Bausatzes hat man einige Arbeit vor sich. Die Bedienelemente, Steckboards, Buchsen und vieles andere muss montiert werden. Hierfür benötigt man eine Schere (besser Seitenschneider) sowie einen ca. "Phasenprüfergroßen" Schraubendreher, und wenn möglich noch eine Spitzzange o.ä. um die Muttern beim festschrauben verschiedener Elemente zu kontern.

Die Schaltungen werden dann auf 2 Steckboards ohne Löten aufgebaut. Die Verbindungen geschen mit Drahtbrücken, und vor angelöteten Drähten an den Potentiometern und dem Lautsprecher, sowie dem 9V Clip. Die Drähte sind bereits vorverzinnt, und passen gut in die jeweiligen Stecklöcher - und halten dort auch gut. Der Lautsprecher wird in die dafür vorgesehene Form geschoben, er lässt sich dort mit etwas Widerstand positionieren, und bleibt dann auf seiner Position.

Hier noch ein Detailfoto, das die Steckboards zeigt



Bei dem Drehkondensator hat man sich eine besonders clevere Lösung einfallen lassen. Nachdem dieser in das Gehäuse montiert wurde, kann er mit Lüsterklemmen verbunden werden, in denen später die Drähte festgemacht werden, welche zu den Schaltungen führen. Das sorgt für einen sicheren Kontakt, auch ohne zusätzliche Lötarbeiten. Darunter ist die Lasche, in der der 9V Block sicheren Halt findet, und somit gut im Radio verstaut ist.

Hier sieht man diese clevere Lösung im Detail


Die Leuchtdiode wird oben in das im Gehäuse vorgesehene Loch gesteckt, und wird über einen Adapter mit den Steckboards verbunden.
Dadurch, das das Loch etwas kleiner als die LED ist, hält die LED sehr fest.

Zuletzt bearbeitet am 08.10.16 16:54

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08.10.16 15:46
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

08.10.16 15:46
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: Der große Franzis Radiobaukasten

Der große Franzis Radiobaukasten

Anleitung

Die Anleitung des Baukastens ist ziemlich dick, ich messe fast 1cm mit zusammendrücken der Anleitung, was darauf hindeutet, das sich offensichtlich viele Thematische Dinge in ihr befinden. Auch das Cover der Anleitung ist mit hoher Bidlqualität bedruckt. Hier ein Vergleich zu einer Radioanleitung eines anderen Radiokastens von Franzis.



Die Anleitung ist innen auch mit hochwertigem Papier erstellt, und die Buchstaben sind schön groß und sehr gut lesbar. So kann man die Anleitung in Ruhe lesen, und das Lesen strengt auch nicht so an. In der Anleitung selbst finden sich weiterhin Farbfotos, nicht nur das Cover ist schön farblich bedruckt, sondern auch die Fotos in der Anleitung, die zum Beispiel den Aufbau erklären, oder bei Schaltungen Grafiken zeigen, wie man diese nachbauen kann.

Inhalt (Anleitung / Versuche)

Nachdem es eine kleine Einleitung zum Radiokasten gibt, wird der Aufbau des Radiokastens (Vorbereitungen) besprochen. Hierbei wird gut verständlich anhand von Text und Bild erklärt, welche Arbeitsschritte zu erledigen sind. Weiterhin gibt´s auch ein Foto, wie der Baukasten nach dem Abschluss der Arbeiten auszusehen hat, sodass man sich an selbrigem orientieren kann, ob man alles richtig aufgebaut hat.

Anschließend werden die Bauelemente vorbereitet (Anschlüsse kürzen, Drähte in´s Steckboard stecken). Während man mit diesen Aufgaben betreut wird, kann man weiterlesen, denn die Bauelemente werden an sich nun kurz vorgestellt, mit einem informativen Text über die Funktionen der einzelnen Bauelemente. Der Baukasten verfügt hierbei auch über das ein oder andere Spezialbauteil. Eine Spule, welche über einen Verstellbaren Ferritkern verfügt wird mitgeliefert ebenso wie (fast) spezielle 455Khz Keramikfilter, wie man sie auch in moderneren Radios (welche mit einem Integrierten Schaltkreis aufgebaut sind) finden kann. Zusätzlich sind noch 2 Hochfrequenztransistoren dabei, welche später dabei helfen sollen, mit ihrer hohen Transfitfrequenz, einen UKW FM Radio zu realisieren. Bei den sonstigen Bauelementen beschränkt sich die Auswahl auf Standard Bauelemente, allerdings mit für meinen Geschmack einer sehr seltenen Bauform.

Ein Foto zeigt euch nun wieder ein paar Bauelemente. Auch zu sehen, einer der beiden 455Khz Keramikfilter, sowie die spezielle, abgleichbare Spule.

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Bei den Kondensatoren handelt es sich um "Kunststoffkondensatoren", und auf den (runden) Festinduktivitäten sind keine Werte aufgedruckt (Wie sonst Üblich z.B. "102" für 1mH). Geläufig sind mir eigendlich eher die "normalen" Keramikkondensatoren, Spulen des Typs SMCC (sehen ähnlich aus wie große Widerstände). Doch die Bauelemente fühlen sich hochwertig an, auch nach vielen Experimenten sind die Beine fest und es gibt keine nennenswerten Abnutzungserscheinungen. Die Elektrolytkondensatoren scheinen "non vented" zu sein, zumindest sehe ich keine Sollbruchstelle an ihnen. Das ist vielleicht für Anfänger ungünstig, die das mit der Polarität nicht so genau nehmen. Aber gut, wenn man sich an die Anleitung hält, kann man eigendlich nicht viel falsch machen.

Beispiel:

Hier mal ein Beispiel eines Versuchs. Dabei handelt es sich um einen Kurzwellenaudion.

Anleitung (Ein Teil Zensiert wegen Copyright)


Hier um die Physikalisch aufgebaute Schaltung


Unten bei den Dateien findet ihr auchnoch eine kurze Hörprobe des Audions.

Wie ihr schon seht, gibt´s in der Anleitung neben einem Schaltplan für die Schaltung (Den ich wegen Copyright nicht zeige) auch einen sehr gut dokumentierten Aufbauplan zur Schaltung. Es ist, als würde man ein Puzzle bauen, und auch Leute mit wenig Elektronik Vorkentnissen sollten bei entsprechender Begeisterung für den Baukasten in der Lage sein, die Schaltungen nachzubauen.

Durch die hochwertigen Bedienelemente lassen sich Versuche - wie der gezeigte Audion - gut durchführen. Mit den großen Drehknöpfen bekommt man schnell ein Gefühl für die Rückkopplung, und kann so gut mit selbriger arbeiten.

Neben dem Audion können natürlich weitere Empfänger aufgebaut werden. Vom Detektorempfänger bis zum Superhet ist fast alles vorhanden, es fehlen ledeglich ein Reflex Empfänger sowie ein Pendelempfänger. Frequenztechnisch beträgt der Empfangsbereich des Baukastens ab 135Khz bis UKW, mit Lücken versteht sich. Vor allem 135Khz Langwelle ist interessant, für Besitzer des "Polytronik: Der junge Funktechniker" Baukastens, da dieser legal dort sendet, und mir wenige Radios bekannt sind, die 135Khz offiziell empfangen können. Auch Amateurfunk - CW und SSB wird besprochen, genauso wie DCF77 (Zeitzeichenempfänger). Die Anleitung regt zu eigenen Experimenten mit der gerade eben aufgebauten Schaltung an.

Zuletzt bearbeitet am 08.10.16 16:54

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Baukastenbauteile.jpg Baukastenbauteile.jpg (60x)

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Baukastenaudion.jpg Baukastenaudion.jpg (53x)

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Audionhoerprobe.WAV Audionhoerprobe.WAV (59x)

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08.10.16 16:05
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

08.10.16 16:05
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: Der große Franzis Radiobaukasten

Der große Franzis Radiobaukasten

Zusammenfassung, Kritik:

Nun habe ich den Kasten vorgestellt, und möchte hier noch meine Meinung über selbrigen kundtun. Der Baukasten ist aktuell - zu diesem Datum, noch bei diversen Elektronikshops erhältlich. Allerdings habe ich Preise für diesen Kasten gesehen, die an die 80€ (aufgerundet) reichen.
Man mag das für gerechtfertigt sehen, doch bildet euch eine Meinung, nach meiner wirklich bemühten Kritik.

Im Zeitalter von Smartphone, Digitalradio, DSP, SDR und co wagt Franzis den Versuch, noch einmal eine "Radio Schule" herauszubringen. Natürlich freuen wir Bastler uns, das versucht wird, alte Technologien (die selbstverständlich ihren Charme haben) unter die Leute zu bringen. Bedenkt man aber, das bereits zum erscheinen des Baukastens alle Kurzwellensender (siehe Deutsche Welle) abgeschalten waren, und die Langwelle nah vor ihrem Abschalttermin war, und Mittewelle auchnichtmehr lange lief, ist es fast Fragwürdig, was genau dieser Baukasten unterrichten möchte. Er behandelt diverse Empfängerschaltungen, welche im Bereich L-M-K arbeiten, und ledeglich eine(!) UKW Empfängerschaltung. Bei dieser handelt es sich um einen UKW-Audion, welcher in der Praxis eher mittelmäsig funktioniert. Der verwendete Vorverstärker hat ein hohes Eigenrauschen, und auch, wenn ich in der Lage war, diverse Sender teilweise sogar überraschend klar (scheinbar ohne hörbare Verzerrungen) zu empfangen war die Schaltung so Handempfindlich, das sie kaum Praxistauglich war.

Also liegt der Fokus klar auf der eher antiken Funktechnik. Doch hier gibt es meines Erachtens nach extrem viel verschwendetes Potential. Ja, die Schaltungen werden von Anfang an Thematisch aufeinander aufbauend besprochen. So beginnt man mit einem Empfänger, der alle Sender auf einmal empfängt, und fügt später einen Schwingkreis hinzu, später sogar einen HF Verstärker, um die Empfangsleistung zu verbessern usw usv. Doch das Problem das ich hier sehe ist die Tatsache, das die Empfänger nur sehr oberflächlich erklärt werden. So heist es, man könne einen Schwingkreis verwenden, um den Sender einzustellen, dieser habe bei seiner Resonanzfrequenz den höchsten Widerstand... Jedoch ist das nur ein Satz in einer Anleitung, die gleich zum weiterexperimentieren anregt, und man solle diese Information wohl verarbeiten. Sicher, für die meisten Forenuser hier ist das klar, und sie verstehen was gemeint ist, ich würde jedoch den Schwingkreis im Schaltplan grafsch markieren, und wenn man so möchte auch eine Kurve zeigen, mit dem Beispiel einer Frequenz. In diesem Beispiel wäre der Schwingkreis auf 1Mhz abgeglichen, und man würde sehen (bei einer Achse ist Frequenz, bei der anderen die Spannung in mV) das bei der Resonanzfrequenz ein deutlicher Anstieg zu vernehemen ist.

Weiterhin fehlen die Erklärungen zum Schaltplan größtenteils. Ja, nicht vllständig, aber größtenteils. So wird beim Detektorempfänger kaum erklärt, warum jetzt beispielsweise ein Kondensator am Ausgang des Empfängers auf Masse eingebaut ist. Zum Hochfrequenz unterdrücken - ok - aber das wird nicht erklärt. Ferner wird nicht erklärt was genau die Diode macht, und warum alles so ist, wie es aufgebaut ist. Gut, man könnte jetzt sicher ein ganzes Buch darüber schreiben, wie genau in jedem einzelnen winzigen Detail ein Detektorempfänger arbeitet, vom Empfang des Signals über die Gleichrichtung resp. Demodulation bis zur Luft-Schwingung die der Lautsprecher erzeugt, und alleine über dieses Kapitel die gut 1cm dicke Anleitung vollbekommen, doch das ist nicht notwendig.

Doch etwas mehr als die Aussage, ein Schwingkreis würde eine Resonanzfrequenz haben, und dort den höchsten Widerstand sollte doch schon drinnen sein. Denn dieses Konzept zieht sich so durch die ganze Anleitung.

Ich möchte nicht sagen, das hier garnichts erklärt wird, doch in Relation zu was möglich gewesen wäre (vor allem da man ja das Rad nicht neu erfindet, und die Erkentnisse der Leute auch besser werden wie man Technik einfacher erklären kann) hat man das Potential bei weitem nicht ausgenutzt.

Ein weiteres Thema ist überhaupt die ganze Gliederung. Ich schrieb ja, das am Anfang Bauelemente besprohen wurden. Was macht ein Widerstand, was macht ein Transistor. Ok, aber wieso wird das mit ein paar Sätzen kurz erklärt, und dann soll man´s verstanden haben, ohne auch nur ein einziges Experiment dazu gemacht zu haben? Ok, ein Auffrischungskurs, ok kann man ja lassen, aber dann finde ichs doch sehr unpassend das auf Seite 16 Widerstände vorgestellt werden und man erst auf Seite 95 erwähnt, das man Widerstände parallel und seriell schalten kann, ebenso Kondensatoren, und wie man das dann berechnen könne. Die erwähnung von Wellenlänge und co, Schwingkreis und co ebenfalls nicht da, wo sie m.E. sein sollte, sondern viel weiter hinten kann man ja lassen, wenns sein muss, aber solche Sachen wie das mit den Widerständen... Kann ich absolut nicht nachvollziehen.

Zuletzt bearbeitet am 08.10.16 16:53

08.10.16 16:29
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

08.10.16 16:29
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: Der große Franzis Radiobaukasten

Der große Franzis Radiobaukasten

Zusammenfassung, Kritik (2)

So würde es doch Sinn machen, bei dem ersten Experiment mit Schwingkreis (Detektorempfänger) auf Seite 53 die Formeln zum berechnen des Schwingkreises zu zeigen, und auch in einem Praktischen Beispiel an die Formel heranzuführen (Man hört diesen Sender weil... die Induktivität von X µH und der Kondenator von X pF ergeben die Resonanzfrequenz dieses Radiosenders) und auch erwähnen, das in der Realität die Werte etwas abweichen wegen Bauteiltolleranzen, parasitären Kapazitäten und Leitungslängen... Doch wo findet man die Schwingkreisformel (ohne ein einziges praktisches Rechenbeispiel) auf Seite 117, schon längst bei den Superhetschaltungen.

Ich würde das ja so akzeptieren, und mir denken ok, wenn man die Informationen etwas verstreut ist der Lerneffekt vielleicht größer, als würde man alles Kompakt nacheinander abarbeiten. Doch was ebenfalls negativ auffällt ist der nahezu vollständig fehlende Praxisbezug. Wie im vorherigen Beitrag erwähnt bearbeitet dieses Lernpaket im Schwerpunkt ältere Radioschaltungen, also L-M-K Radios. Doch wo ist der Praxisbezug?

Radioschaltungen werden um einen integrierten Schaltkreis aufgebaut (das ist kein Radio IC, der Schaltkreis besitzt FETs). In den Schaltplänen zu den Radios ist zwar die interne Beschaltung gezeigt, um den Radio verständlicher wirken zu lassen, jedoch haben diese Schaltungen nur wenig mit den Radioschaltungen zu tun, die dieser Baukasten versucht nachzuahmen. So wäre es doch "nett" gewesen, einen Schaltplan eines typischen 70er Jahre Transistorradios abzudrucken (aus Coyprightgründen die Bauteilwerte Entfernen oder schauen, ob man da was machen könnte mit Werten) und diesen Schaltplan zu analysieren. Da Farbfotos kein Thema sind, wäre doch eine Praxisnahe Abgleichanleitung am Schluss des Baukastens angebracht. Was macht die Rote Spule? Ja, wir wissen das das der Lokaloszillator für Mittelwelle ist, doch jemand, der durch diesen Baukasten die Faszination für alte und antike Radios gefunden hat wird sich fragen, was diese vielen bunten Spulen denn so machen.

Das ein Superhet so etwas wie eine AGC - oder auch bekannt als Schwundregelung benötigt, da er sonst übersteuern kann, wird auch nirgends erwähnt, genausowenig wie die Tatsache, das die wenigstens Portabel Radios mit einer 4m langen Drahtantenne, und einer Erdung verbunden werden müssen um LW oder MW zu empfangen, sondern, über eine Ferritantenne empfangen.

Es fehlen viele für mich wichtige Details die zum vollen Verständniss eines Radios führen (Kurzer unverbindlicher Kommentar: Ich gebe gerne zu, das hier meine strenge, im Eingangsbeitrag erwähnte, Bewertung ins Spiel kommt, denn ich hätte mein Radio Lernpaket mit Transistoren statt mit einem IC gemacht, und hätte genau diese Themen praxisnah besprochen) und helfen später eines zu warten oder gar selber zu bauen, das den Schaltungen aus den 70ern ähnelt.

Die Empfangsleistung der meisten Radioschaltungen lässt so stark zu wünschen übrig, das sie in der Praxis nicht brauchbar sind. Detektorempfänger und co sind von sich aus unempfindlich - keine Frage - doch dann wird eine Spule mit recht kleine Induktivität beigelegt, für Kurzwelle, die dann den Bereich (laut Aufdruck) um das 41m Band empfangen soll. Dies benötigt natürlich einen großen parallel C, der zwar für mehr Trennschärfe sorgt (Schwingkreis wird niederohmig) jedoch gleichzeitig einiges an Empfindlichkeit kostet.

Auf Mittelwelle konnte ich den Sender Ismaning, Bayern+ auf 801Khz in schätzungsweise 50-60km Distanz zum Sender mit diesem Baukasten mit nur wenigen Empfängern brauchbar empfangen. Der Sender spielte auf einem Normalen Radio in sehr guter Signalqualität, mit etwas rauschen, und auf einem besseren Empfänger quasi rauschfrei. Eine Schaltung mit dem IC - Audion - Funktionierte sehr gut auf Langwelle, doch auch nach mehrmaligem Aufbau nicht auf Mittelwelle, oder nur teilweise. Es wäre sehr vorteilhaft gewesen, wenn der Autor von sich aus die sehr empfindlichen Empfänger markiert hätte, sodass bei einem Bastler nicht gleich Frust eintritt, und die Lust am experimentieren verloren geht, wenn sehr viele Empfangsversuchue erfolglos bleiben. Der Mittelwellenradio mit IC HF Vorverstärker erweist sich nämlich als durchaus empfindlich und brauchbar, während ich beim Detektorempfänger selbst mit HF Vorverstärker Bayern+ nur sehr leise aufnehmen konnte. Das mag aber auch daran liegen, das bei meinem Baukasten der Lautsprecher von Anfang an defekt war, dies fiel mir erst auf, als ich Experimente mit guten Empfängern (hohe Lautstärke) machte. Der Lautsprecher ist verbogen, man muss die Membrane etwas nach aussen drücken um zu hören, sonst ist er sehr leise, und klingt bei höherer Lautstärke verzerrt, ebenfalls passten übrigens die Bohrlücker nicht (für Ant. und Erde) waren zu klein, musste nacharbeiten. Kann aber gut sein, das das nur bei meinem Baukasten so ist.

08.10.16 16:45
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

08.10.16 16:45
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: Der große Franzis Radiobaukasten

Der große Franzis Radiobaukasten

Zusammenfassung / Kritik (3)

Was genau möchte dieser Baukasten uns also beibringen? Ja, man bekommt einen Kurs durch verschiedene Empfängerschaltungen, und viele von ihnen werden auch bemüht ansatzweise erklärt (bei Superhets z.B. das es eine ZF Gibt, das es Hoch und Tiefpässe gibt usw usv) doch mir persönlich fehlt wie schon gesagt der Praxisbezug zu eben diesen Radios. Man hätte ja nach den Experimenten noch ein Anhängsel machen können, und wenigstens Schaltplanmäsig einen Röhren Audion besprechen, einen 70er Jahre Transistorradio zeigen können, und auch erklären können, wieso es auf UKW so schwer ist einen Radio zu bauen (Von Steckboard + UKW mal abgesehen, Ratio Detektor usw usv).

Beim einzigen UKW Radio - dem Audion - wird nichtmal erklärt, das dieser mit Flankendemodulation arbeitet, geschweigedenn, was eine Flankendemodulation sein soll. Es wird ledgelich darauf hingewiesen, das man die Rückkopplung vorsichtig einstellen müsse, da der Audion sonst senden würde, und Empfehlungen gegeben, wie man die Empfangsleistung durch Experimente mit der Spule verbessern könne...

Wenn der Schwerpunkt mangels mangelhafter Erklärungen also nicht auf alter bzw. antiker Radiotechnik liegt, könnte man ihn ja auf aktuellere Schaltungen beziehen (Sowie das diverse Elektronikkästen vor diesem ihrerzeit taten). Man hätte einfach einen SMD Radio Weltempfänger IC auf einer Adapterplatine rein tun können, und so schritt für Schritt einen Weltempfänger aufbauen können, der wenigstens MW 1,2 Bänder KW, und UKW mibtringt. Dann kann man auch viel Theorie dazu schreiben, und bekommt schnell eine Anleitung voll, doch danach war dem Entwickler / Entwicklerteam dieses Baukastens wohl nicht...

Bevor man etwas empfängt, muss man doch was aussenden? So wie man in anderen Baukästen lange vor diesem Radiobaukasten bereits experimente mit kleinst Sendern machen konnte, wird das Thema Sender bauen hier kontinuirlich verschwiegen. Mir ist schon klar, das das nach wie vor ein "Heisses Eisen" ist, doch gab es mittlerweile genug Aussagen zu diesem Thema, und der scheinbar teilweise möglichen Legalität, vor allem Experimente auf diesem Gebiet ohne die Absicht des Betreibens einer eigenen Radiostation zu machen. Dies machten diverse andere Elektronikbaukästen bereits vor.

Obwohl hier einerseits wehement nicht gesendet werden soll, heist es dann, man könne doch die "Lo Frequenz" des Kurzwellensuperhets mit einem Radio überprüfen, dies tat ich natürlich, und der Leerträger ist immerhin ein paar Meter weit zu empfangen. Woanders sollen dann LW und KW Audion-e mit leichtem Schwingungseinsatz betrieben werden (an einer 4m langen Antenne) um so CW / SSB oder Zeitzeichensender Aussendungen zu empfangen...

Da wäre es doch echt ok gewesen, aufgrund der Induktiven Übertragung wenigstens ein kleines Mittelwellen Senderchen zu bauen, vor allem der hierfür prädestinierte Teilevorrat wäre bestens geeignet. Oder einen Sender mit 455Khz Resonator, 910Khz Hochpass und rein induktiver Übertragung (durch die Spulen) wären alles Dinge gewesen, die problemlos realisierbar gewesen wären. Aber darauf wurde offensichtlich bewusst verzichtet.

Also musste ich das wieder in die Hand nehmen, und baute einen 1-Transistor Sender


Das IC könnte man als NF Verstärker verwenden, und den Lautsprecher als Mikrofon. Sendereichweite mit einem Durchschnittsradio 30cm Verrauscht, und durch das Design sind Oberwellen auch gleich mit mind. 3dB (die 1.) unterdrückt. Mit dem Drehko kann ich bei meiner Schaltung die Frequenz von ca 640...790Khz sowas einstellen, ist zwar nicht sonderlich weit, aber zum experimentieren reicht das doch.

So könnte man einen Prüfsender bauen, der dann mit der in meiner Vision eines Radio Lernbaukastens, mit einer am Ende der Anleitung vorhandenen Abgleichanleitung für Radios, dabei hilft eben einen Selbstbau Radio abzugleichen, oder einen älteren zu warten.

Auf der anderen Seite hat der Verlag Franzis ja auch z.B. das Tesla Lernpaket herausgebracht, bei dem auf der ISM Frequenz von 13,56Mhz mit einiger Leistung gesendet wird, um so über weite Distanz eine LED zum leuchten zu bringen, und die Wirkung von Schwingkreisen zu demonstrieren. Wenn man so etwas veröffentlicht, wieso dann nicht einen kleinen Mittelwellen Induktiv Sender in einem aufgerundet 80€ teuren Radiobaukasten? Ist ja nur meine Meinung und meine (siehe Eingangsbeitrag) strenge Wertung über diesen Baukasten und seine Versuche. Wie in vielen anderen Baukästen zuvor (übrigens) finde ich auch hier kein Quarz, derweil ist ein Quarz doch das Bauelement überhaupt in der Funktechnik (alte CB Funkgeräte z.B.).

Man hätte doch, wenn man Geld sparen wollte, die Anleitung in billigem Papier machen können, und eine CD Rom beilegen können, die mit Informationen gefüllt ist, praxisnahen Infos, gegebenfalls Datenblättern (NE612 und co). Doch dies ist hier leider nicht der Fall.

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Baukasteneigensender.jpg Baukasteneigensender.jpg (86x)

Mime-Type: image/jpeg, 28 kB

08.10.16 16:53
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

08.10.16 16:53
Stefan02 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: Der große Franzis Radiobaukasten

Der Franzis Radiobaukasten

Gesamtbewertung

Abschließend möchte ich den Kasten noch als Gesamtprodukt bewerten.

Vorteile:

- Anleitung in sehr guter Qualität gedruckt
- Baukasten (Gehäuse) an sich ist hochwertig, wirkt stabiel
- Bauelemente können für eigene Experimente verwendet werden
- Potis, Drehkondensator und co gut montiert, ideal für eigene (Röhren?) bastelein
- Erlernen der Grundschaltungen der Radiotechnik.
- Aufbau und Montage des Kastens wird in der Anleitung vorbildlich gut beschrieben
- Kein Löten notwendig, Experimente gelingen mit Geduld und Experimentierfreude auch ohne Elektronik Vorkentnisse

Nachteile:
- Hohe Kosten (bis zu 80€)
- Erklärungen zur Funktion der Schaltung sind mangelhaft
- Unlogische Einteilung von Informationen
- Viele Empfänger funktionieren sehr schlecht (u.A. die Superhets) daher Frustration bei Anfängern möglich
- Keine Sendeschaltungen
- Wenig Praxisbezug, wichtige Dinge, die man in "echten" Radios findet werden tlw. nicht erklärt

Fazit:

Der Kasten ist definitiv nicht schlecht, aber bei weitem nicht das, was ich von ihm erwartet hätte. Das spiegelt sich auch in den Bewertungen eines bekannten online Versandhauses wieder. Viele Anfänger geben dem Kasten 5*, Profis oftmals nur 3 Sterne mit unter anderem der Begründung für das Geld wenig Teile - das habe ich so zumindest gelesen.

Wenn man jemandem einen Radio zum basteln schenken möchte, und Löten kein Thema ist, empfehle ich eher den Kurzwellen Retro Radio. Dieser bringt gute Empfangsergebnisse, und auch eine sehr gute Lautstärke mit sich. Elektronikinteressierten, die in die Radiotechnik einsteigen wollen, empfehle ich diesen Kasten bedingt. Nur kaufen, wenn man sich wirklich intensiv mit der Materie beschäftigen möchte.

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