Re: Reinigung von Kunststoff-, Bakelit- und Holzgehäusen
Hallo Rainer,
die Oberflächenbehandlung war schon aufregend, da sich dieses Gehäuse ganz anders verhielt als das meines Volksempfängers, das zwei Jahrzehnte älter ist. Ich denke, es gibt Unterschiede zwischen den verschiedenen Bakelit- oder Pressstoffmaterialien.
Das Merkwürdige war ja, dass ich eine Stelle sehr intensiv mit Lackreiniger schliff, ohne dass sich ein richtiger Glanz einstellte. An dieser Stelle muss ich wirklich sämtlichen Dreck entfernt haben. Erst die Behandlung mit dem Hydraulik-Öl brachte einen allmählichen Glanz und feine Kratzer verschwanden ebenso. Dieser Glanz ist aber anders, mehr lederartig, und glänzt anders als die Innenseite des Gehäuses, die von Anfang an glänzend war und auch nicht durch die Waschung verändert wurde. Ich vermute deshalb, dass durch das Öl die Oberfläche chemisch beeinflusst wird. Wie dem auch sei, habe ich dadurch gelernt, dass man ein rauhes Kunststoff-Gehäuse nicht gleich durch eine Lackierung mit Klarlack aufgeben soll.
Einen Fehler habe ich jedenfalls gemacht. Auf der Innenseite des Gehäuses klebte ein Informationszettel aus Papier, der sich nicht unbeschadet ablösen ließ und sich in der Waschbrühe auflöste. Wenigstens habe ich ihn fotografiert:
Die schwedische Aufschrift bedeutet: "Die Temperatursicherung ist so anzubringen, dass die Hülse über der inneren Feder eingehakt wird." Außerdem zeigt das Bild die glänzende Oberfläche des unbeschädigten Bakelits. Bei der Restaurierung habe ich den Aufkleber beim Waschen geopfert. Dies hätte nicht sein müssen. Beim nächsten Mal werde ich die Oberfläche um den Aufkleber herum mit einem feuchten Lappen reinigen und vor der Waschung den Aufkleber mit Plastikfolie und Klebeband vor der Waschbrühe schützen. Man lernt eben immer was dazu.
Viele Grüße Volker
"Das Radio hat keine Zukunft." (Lord Kelvin, Mathematiker und Physiker (1824-1907))
Genereller Hinweise: Wer sich an die Reparatur oder Reinigung oder Restaurierung
eines Radios, Fernsehers, usw. wagt und dabei das Gerät öffnen will,
sollte zuvor die Sicherheitshinweise
des Forums lesen.
Re: Reinigung von Kunststoff-, Bakelit- und Holzgehäusen
Hallo zusammen,
nachfolgend ein Werbefilm aus den 30er Jahren über die Herstellung von Bakelit, welcher unter anderem auch die Produktion von Volksempfänger-Gehäusen darstellt. Der Film zeigt, dass die Gehäuse des Volksempfängers sowohl innen als auch außen hochglänzend waren. Selbst die Drehknöpfe waren ursprünglich hochglänzend. Nur der Rand für die Klebung des Lautsprecherstoffes war rauh, damit der Klebstoff besser hält:
Bakelite - Der Stoff der tausend Möglichkeiten
Ab 4:56 Minuten wird die Herstellung der Volksempfänger-Gehäuse vorgestellt.
Viele Grüße Volker
"Das Radio hat keine Zukunft." (Lord Kelvin, Mathematiker und Physiker (1824-1907))
Re: Reinigung von Kunststoff-, Bakelit- und Holzgehäusen
Hallo zusammen,
an meinem Volksempfänger habe ich weiter mit Lackreiniger poliert. Diesmal wurden die Knöpfe und die Verzierungen unterhalb der Skala bearbeitet. Außerdem wurde die matte Stelle oberhalb des linken Knopfes nachbehandelt:
Nach dem Polieren.
Vor der Behandlung.
Einige Ritzen und die Lautsprecherbespannung müssen noch nachgebessert werden. Nach dem Polieren mit Lackreiniger wurde die Oberfläche mit einer Mischung aus 10% Lackreiniger und 90% Automatik-Getriebeöl mehrfach nachbehandelt und trockenpoliert. Auf dem Foto sieht das Ergebnis allerdings viel besser als die Wirklichkeit aus. Die matte Stelle ist je nach Lichteinfall immer noch erkennbar und die Knöpfe sind tatsächlich noch matt, obwohl sie mit Zahnbürste, Lappen, Spülmittelösung, Lackreiniger und dem besagten Getriebeöl behandelt wurden.
Durch richtige Ausleuchtung kann man einiges vertuschen. Ich habe mit Blitz gearbeitet, dem ein ganz normales weißes Haushaltspapiertuch vorgehalten wurde. Hätte ich extra für das Foto das Gehäuse noch ordentlich eingeölt, sähe das Ergebnis noch besser aus. Auf jeden Fall bin ich skeptisch geworden, wenn ich Fotos für Internet-Aktionen sehe.
Viele Grüße Volker
"Das Radio hat keine Zukunft." (Lord Kelvin, Mathematiker und Physiker (1824-1907))