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Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina
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19.08.17 17:41
HB9 

WGF-Premiumnutzer

19.08.17 17:41
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo zusammen,

hier die Vorstellung des Biennophone Celerina des Schweizer Herstellers Velectra AG aus Biel. Das Gerät hat Jahrgang 1969 gemäss beigelegtem Schaltplan und ist äusserlich bis auf Schmutz in einwandfreiem Zustand. Die Elektronik braucht allerdings noch Zuwendung, der NF-Teil streikt schon mal, aber das lässt sich lösen.



Zum Gerät: Der UKW-Teil ist absolute Spitzenklasse und besteht bis zum Demodulator aus 5 Röhren und 4 Dioden, das würde für ein komplettes AM/FM-Radio reichen. Der AM-Teil ist davon völlig getrennt und besteht aus der Standardschaltung mit ECH81 und EBF89, immerhin mit drehbarer und abschaltbarer Ferritantenne und separatem HF-Telephonrundspruch-Eingang. Der NF-Teil ist mit der ECL86 auch nicht gerade übertrieben, als Bonus gibt es einen Schalter, um zwischen dem internen und einem externen Lautsprecher umzuschalten. Als Abstimmanzeige werkelt eine EM84.

Nun also zum Kern der Sache, dem UKW-Teil. Dieses hat das amtliche Gütesiegel der Schweizer Post für überdurchschnittliche Qualität. Dieses wurde in den 60er-Jahren eingeführt, damit wirklich gute UKW-Empfänger als solche auch erkennbar waren.
Das Antennensignal gelangt nach einem induktiv abgestimmten Vorkreis auf die ECC84, welche als Kaskode geschaltet ist und damit viel Verstärkung bei niedrigem Rauschen liefert. Am Ausgang der Kaskode hat es einen mit einem Drehko abgestimmten Zwischenkreis, von hier gelangt das Signal auf den additiven Mischer, der mit der Pentode der ECF80 gebaut ist. Die Triode dient als Oszillator. Durch die Fremdsteuerung wird eine Modulation des Oszillators durch starke Sender vermieden, dadurch wird die Grosssignalfestigkeit erhöht und der Empfang verbessert. Gleichzeitig hat die Pentode eine höhere Mischverstärkung als die sonst verwendeten Trioden. Der anschliessende ZF-Verstärker besteht aus 3 bandfiltergekoppelten EF184, was eine enorme Verstärkung und damit sehr gute Begrenzung auch bei schwachen Signalen ergibt. Im Gitterkreis der zweiten ZF-Stufe ist eine zusätzliche Begrenzerschaltung mit zwei Germaniumdioden gebaut, welche auch eine Regelspannung für die Kaskode liefert. Als Demodulator dient ein Phasendiskriminator anstelle eines Ratiodetektors (ähnlich wie beim Körting Syntektor), der hat weniger Verzerrrungen, dafür keine AM-Unterdrückung, die hier aber auch nicht notwendig ist. Die Bandfilter sind übrigens über separate Spulen gekoppelt und die Gitter der EF184 sind über Anzapfungen angeschlossen, damit die Änderung der Eingangskapazität bei hohen Signalspannungen die Bandfilter möglichst wenig verstimmt. Aus diesem Grund gibt es bei den EF184 auch eine HF-Gegenkopplung im Katodenkreis, ähnlich wie bei den Video-ZF-Verstärkern. Durch die ehrlichen 11 FM-Kreise (8ZF- und 2 abgestimmte HF-Kreise, Oszillator) ist die Trennschärfe enorm. Konstruktiv ist der Tuner vom Rest separat aufgebaut, und die kombinierte Abstimmung aus Doppel-Drehko und induktivem Eingangskreis ist eine zusätzliche mechanische Herausforderung.

Die Qualität des Aufbaus ist ebenfalls wesentlich höher als man es sich von Radios gewohnt ist. Die Leiterplatte ist aus Keramik statt Pertinax, und auch die Röhrenfassungen sind alle aus Keramik. Das Chassis ist sehr stabil gebaut und dementsprechend schwer. Diese Bauweise kenne ich eher von professionellen Empfängern oder Messgeräten. Jedenfalls ein feines Gerät, wenn es dann wieder funktioniert.

Hier noch ein paar Bilder:

Das gelbe Gütesiegel für überragende UKW-Qualität:




Die Keramik-Leiterplatte mit viel Kupferfläche als Abschirmung:



Der UKW-Tuner:



Die kombinierte Drehko/Variometer-Abstimmung: links der Drehko-Antrieb, rechts über das dünne Seil das Variometer:



Fortsetzung folgt...

Gruss HB9

Zuletzt bearbeitet am 19.08.17 17:44

Datei-Anhänge
FM Abstimmung.jpg FM Abstimmung.jpg (58x)

Mime-Type: image/jpeg, 69 kB

FM-Tuner.jpg FM-Tuner.jpg (46x)

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hinten.jpg hinten.jpg (53x)

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Leiterplatte.jpg Leiterplatte.jpg (54x)

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offen.jpg offen.jpg (50x)

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vorne.jpg vorne.jpg (73x)

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19.08.17 17:49
nobbyrad58 

WGF-Premiumnutzer

19.08.17 17:49
nobbyrad58 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo HB 9

Die Eingangs.- Mischstufe ECC 84, ECF 80 erinnert an Fernsehschaltungen für das Band III. Wirklich Super!

MFG Nobby

19.08.17 20:34
HB9 

WGF-Premiumnutzer

19.08.17 20:34
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo Nobby,

das ist richtig, nach Datenblatt wurde die ECC84 auch für VHF-Fernsehtuner entwickelt, sozusagen der Vorläufer der ECC88 (PCC88) und der PCC189. Die Sockelschaltung der ECC84 ist übrigens sehr speziell und die Röhre kann eigentlich nur als Kaskode verwendet werden. Bei der 'unteren' Triode (also der in Kathodenbasisschaltung) gibt es zwei Kathodenanschlüsse, von denen nach Datenblatt einer HF-mässig geerdet sein soll und der andere als Masseanschluss für den Eingangskreis dient. So soll der Eingangswiderstand nach Datenblatt höher sein, als wenn man die beiden einfach parallelschaltet. Da durch diese Schaltung eigentlich ein Anschluss für den Schirm zwischen den beiden Trioden fehlt (der ist für eine Kaskode wichtig), wurde der Schirm an den Gitteranschluss der 'oberen' Triode gelegt, da dieser bei einer Kaskode ja HF-mässig geerdet ist. So ist auch klar, welche Triode für welchen Schaltungsteil zuständig ist. Bei der ECC88 ist das ja nicht so, dort sehen die Trioden gleichberechtigt aus, aber im Datenblatt wird trotzdem vorgeschrieben, welches die 'untere' und welches die 'obere' Triode in Kaskodenschaltung sein soll.

Aber vorerst geht es ja mal um Niederfrequenz, die ist viel einfacher

Gruss HB9

19.08.17 23:33
nobbyrad58 

WGF-Premiumnutzer

19.08.17 23:33
nobbyrad58 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo HB 9

Es gab noch eine Weiterentwicklung für BD III, die PC 900. Hier konnte dank Neutro Elektrode eine Triode in Katodenbasisschaltung verwendet werden. So konnten die Vorteile der KB Schaltung, die hohe Verstärkung, ein großer Eingangswiderstand, und eine einfachere Schaltung angewendet werden.
Die Neutro Schaltung stammt aus der Frühzeit der Radiotechnik, damals um KW Empfang zu ermöglichen.
Mit dem Aufkommen von Mehrgitterröhren verschwand die Neutro Schaltung, bis zur PC 900.
Ich meine das Philips einen UKW Tuner mit der PC 900 produziert hat, so Mitte der 60er.

MFG Nobby

20.08.17 12:00
HB9 

WGF-Premiumnutzer

20.08.17 12:00
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo Nobby,

die PC900 kenne ich nicht, ich nehme an, das ist eine steile Spanngitterröhre wie die ECC88, damit man im VHF-Band ordentlich Verstärkung und geringes Rauschen bekommt. Neutralisierte Trioden als Vorstufe sind bei UKW aber eher Standard als Ausnahme. Die grosse Mehrheit der UKW-Tuner mit ECC85 haben eine neutralisierte HF-Stufe mit einer Triode der ECC85.

Gruss HB9

20.08.17 15:02
HB9 

WGF-Premiumnutzer

20.08.17 15:02
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo zusammen,

da ein Elko Schwierigkeiten machte, war eine zweite Runde mit Formieren nötig. In dieser Zeit habe ich die Leiterplatte mal vom Schmutz befreit und eine optische Bauteilkontrolle gemacht. Der 10uF-Kondensator in der Kathodenleitung der NF-Triode sieht nicht mehr frisch aus und wird ersetzt, der von der Endstufe ebenfalls, das geht im gleichen Arbeitsgang, auch wenn er noch gut aussieht. Da kein Ratiodetektor vorhanden ist, gibt es hier keinen Elko zu tauschen. Die übrigen Kondensatoren sind Keramik, Styroflex oder die guten, hellbraun eingegossenen Kunststoff-Folienkondensatoren, die so gut wie ewig halten. Somit hält sich die Kondensator-Kur in Grenzen. Etwas mühsam dürfte noch die Entfernung des Schmutzes zwischen den Platten des AM-Drehkos sein... So wie es aussieht, war das Radio längere Zeit an einem Ort mit viel Sägemehl oder Ähnlichem gelagert, dazu noch irgendetwas leicht Klebriges.

Hier noch ein Bild der Leiterplatte. Im Bereich der letzten FM-ZF-Stufe (die mittlere Röhre am hinteren Rand) war einiges an Abschirmaufwand nötig, um die hohe Verstärkung zu beherrschen. Bei den FM-ZF-Filtern ist übrigens neben den Resonanzfrequenzen der beiden Schwingkreise auch der Koppelfaktor abgleichbar, daher haben diese 3 Abgleichschrauben. Ohne Anleitung dürfte das etwas schwierig sein, aber sie sind noch original vergossen und daher wohl korrekt abgeglichen.



Jetzt versuche ich mal, den NF-Teil wieder in Fahrt zu bringen.

Gruss HB9

Datei-Anhänge
chassis.jpg chassis.jpg (66x)

Mime-Type: image/jpeg, 86 kB

20.08.17 17:16
HB9 

WGF-Premiumnutzer

20.08.17 17:16
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo zusammen,

jetzt ist es fast geschafft! Das Radio läuft wieder, und der erste Eindruck ist umwerfend. Im Luftschutz-Bunker reicht ein 10cm langes Stück Draht als UKW-Antenne, um ca. 20 Sender rauschfrei zu empfangen. Die Lautstärke der Sender ist zudem völlig unabhängig vom Empfangspegel, ein halb im Rauschen versunkener Sender ist genau gleich laut wie einer mit Maximalanzeige der EM84. Die Begrenzung ist wirklich hervorrangend. Trotz der sehr hohen Verstärkung ist das Rauschen ohne Sender nicht lauter als die empfangenen Sender und stört so bei der Sendersuche nicht, zudem sind bei mir mit einer 'normalen' Antenne sowieso praktisch alle Kanäle belegt.

Der erste Eindruck auf AM war auch nicht schlecht, aber der Drehko muss noch gereinigt werden, der Schmutz sorgt für Störgeräusche beim Drehen im unteren Frequenzbereich.

Das Problem der nicht funktionierenden NF war eigentlich ganz simpel: der Umschalter interner/externer Lautsprecher machte fast keinen Kontakt. Da so ein 'bisschen' Netzbrumm zum Lautsprecher kam und der Schalter sehr stabile Fast-Nicht-Funktion zeigte, führte das auf die falsche Fährte. Das 'bisschen' Netzbrumm war nämlich fast Vollaussteuerung der Endstufe und daran war einer der drei Glättungselkos schuld. Nachdem der Fehler erkannt war, konnte ich den Umschalter in Ordnung bringen und den Netz-Elko durch drei neue ersetzen, dann stimmten auch die Spannungen wieder auf das Volt genau.

Jetzt kommt noch die Endreinigung und der Zusammenbau. Weiter mache ich mit dem UKW-Teil noch ein paar Messungen und einen Vergleich zu einem 'normalen' UKW-Teil mit ECC85, hier drängt sich der Resonar auf, denn der Fairness wegen sollten es schon 3 ZF-Stufen sein.

Gruss HB9

20.08.17 19:23
nobbyrad58 

WGF-Premiumnutzer

20.08.17 19:23
nobbyrad58 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo HB9

Der Unterschied zur Neutralisierung einer ECC 85 o.ä. ist das bei der PC 900 eine extra Neutro Elektrode, eine Art Hilfsgitter vorhanden ist. Die Neutralisierung bei der ECC 85 erfolgt auf das Steuergitter und meist wird die Zwischenbasisschaltung angewendet.
Die PC 900 ist für KB Schaltung vorgesehen und regelbar. Die Neutralisation wird ähnlich wie bei einer reinen Triode auf die Neutro Elektrode gelegt.
Das war die letzte Röhrenentwicklung auf dem Gebiet. Die PC 88, 86 waren speziell für die Gitterbasisschaltung entwickelt, bei UHF bei Novalröhren auch nicht anders möglich.
Da hast Du ein Super Teil das absolut mit Spitzentunern aus der Zeit mithalten kann. Leider noch kein Stereo, oder lasst sich das nachrüsten ? Nur Mono NF, aber auch lösbar.

Hier ein Datenblatt der PC 900

MFG Nobby

Datei-Anhänge
PC 900.jpg PC 900.jpg (62x)

Mime-Type: image/jpeg, 117 kB

21.08.17 08:18
HB9 

WGF-Premiumnutzer

21.08.17 08:18
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo Nobby,

Stereo ist nicht vorgesehen, und das hat auch seinen Grund. Die Schweiz liess sich nämlich sehr viel Zeit mit der Einführung von Stereo, das kam erst Mitte der 70er-Jahre mit dem 2. Programm, das erste Programm wurde sogar erst gegen Ende der 80er-Jahre in Stereo gesendet. Somit war also gar kein Bedarf nach Stereogeräten vorhanden, weil der Stereodekoder nutzlos gewesen wäre.

NF-Stereogeräte gab es ein paar, aber meistens mit integriertem Plattenspieler.

Beim Celerina ist mir noch aufgefallen, dass der Ausgangstrafo sehr gross geraten ist, beim 'Gandria' desseelben Herstellers, der auch mit einer ECL86 arbeitet, ist er viel kleiner. Offenbar wollten sie trotz Eintakt-Endstufe einen guten Ton und auch ordentlich Bass.

Gruss HB9

25.08.17 10:51
HB9 

WGF-Premiumnutzer

25.08.17 10:51
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: Schweizer UKW-Spitzensuper Biennophone Celerina

Hallo zusammen,

der AM-Drehko ist jetzt gereinigt und alles funktioniert wieder so, wie es soll. Auch das Chassis ist wieder sauber und bereit zum Zusammenbau. Nur das Gehäuse muss innen noch gereinigt werden.

Ich habe die UKW-Schaltung noch genauer analysiert. Dabei habe ich festgestellt, dass die letzte der drei EF184 in der ZF eine reine Begrenzerfunktion hat und kaum mehr verstärkt. Die Schirmgitterspannung ist mit 45V noch einigermassen normal, aber die Anodenspannung liegt unter 10V, die Zuführung erfolgt mit einem 150kOhm-Widerstand. So wird die Röhre schon bei kleinsten Spannungen und auch dem Rauschen der vorangehenden Verstärkerstufen voll ausgesteuert. Eine ähnliche Schaltung gibt es auch beim Körting Syntektor, dort wurde aber eine Hexode verwendet. Eine sehr effiziente Schaltung, braucht aber eine zusätzliche Röhre.

Gruss HB9

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