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Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz
 1 2
20.04.07 09:01
liuto56 

WGF-Einsteiger

Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

Hallo alle zusammen!
Ich habe eine Frage: Wenn ich für eine Spinnennetzspule Acrylglas verwenden möchte, welches auch als Plexiglas gehandelt wird, wie kann ich feststellen, ob sich dieses auch für Hochfrequenz eignet?
Vielen Dank für die Antwort
liuto56

    Genereller Hinweise: Wer sich an die Reparatur oder Reinigung oder Restaurierung eines Radios, Fernsehers, usw. wagt
    und dabei das Gerät öffnen will, sollte zuvor die Sicherheitshinweise des Forums lesen.

    Vor Eingriffen in Geräte bitte diese Hinweise lesen: Was ich auf gar keinen Fall machen sollte!
    21.04.07 08:02
    wumpus 

    Administrator

    Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

    Zitat:



    Hallo alle zusammen!
    Ich habe eine Frage: Wenn ich für eine Spinnennetzspule Acrylglas verwenden möchte, welches auch als Plexiglas gehandelt wird, wie kann ich feststellen, ob sich dieses auch für Hochfrequenz eignet?
    Vielen Dank für die Antwort
    liuto56


    Hallo liuto56
    Man kann es mit "Versuch und Irrtum" probieren, Vergleichsmessungen machen (siehe meine Q-Bestimmungs-Seite http://www.oldradioworld.de/gollum/qfactor.htm ) oder HF-Dampfungs-ergleichstabellen nutzen. Es gab eine solche mal auf einer amerikanischen Seite, ist jetzt aber weg.


    MFG Rainer

    Möge die Welle mit uns sein.

      24.04.07 13:03
      Gerd

      nicht registriert

      Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

      Hallo,

      google hilft bei solchen Fragen, die Hersteller geben in den Datenblättern oft den Verlustfaktor für 50Hz und 1MHz an, manche sogar Kurven bis in den GHz-Bereich.

      Acrylglas (PMMA) hat bei 1MHz einen dielektrischen Verlustfaktor von 200 * 10^-4. Damit liegt es im Bereich von Bakelit, und ist für HF-Anwendungen weniger gut geeignet

      Zum Vergleich, Steatit und Mycalex haben nur etwa 20*10^-4, und Quarz, Glimmer und Quarzglas liegen bei 1 .. 2*10^-4.

      Die CD-Rohlinge (Polycarbonat) liegen mit 100*10^-4 etwas besser, sie verursachen nur halb soviele Verluste. Aber auch das ist für viele Anwendungen noch recht viel.

      Sehr gute HF-Eigenschaften haben hochmolekulares Polyethylen und Polypropylen in unverstärkten Ausführungen( 3,5*10^-4) , und die besten Werte werden für Polystyrol angegeben, sie schwanken je nach Hersteller und Type zwischen 0,5 und 2*10^-4, liegen also im Bereich von Quarz und Glimmer. das ist auch der Grund für die hervorragenden Eigenschaften der Styroflexkondensatoren, neben dem thermischen Verhalten, welches den positiven TK von Schwingkreisspulen auf Polystyrol-Spulenkörpern von ca. 150*10^-6 mit dem eigenen von ca. -150*10^-6 nahezu perfekt kompensiert. Trolitul ist der handelsname für ein frühes Polystyrol, nicht ganz so gut wie heutige Typen, aber seit Jahrzehnten ein Begriff in der HF-Technik.

      gg

        Genereller Hinweis: Die Anwendung der Groß/Kleinschreibung erleichtert die Lesbarkeit von Beiträgen..
        24.04.07 20:15
        wumpus 

        Administrator

        Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

        Zitat:



        Hallo alle zusammen!
        Ich habe eine Frage: Wenn ich für eine Spinnennetzspule Acrylglas verwenden möchte, welches auch als Plexiglas gehandelt wird, wie kann ich feststellen, ob sich dieses auch für Hochfrequenz eignet?
        Vielen Dank für die Antwort
        liuto56


        Hallo Liuto56
        Noch eine Ergänzung. Wenn möglich, sollte das Spulenkörper-Material skeletiert werden. Luft (genauer trockene Luft) gibt noch bessere Werte.
        Als Aufbaubeispiel:

        Es wurde hier ein CD-Rohling mit abgezogener Metallfolie verwendet. Volksmundlich habe ich das Trägermaterial als Acryl bezeichnet. Jedenfalls ergibt das Material in Verbindung mit geeigneter HF-Litze für den MW-Bereich recht gute Werte, wenn möglichst viel Material entfernt wird.

        MFG Rainer

        Möge die Welle mit uns sein.

          24.04.07 21:55
          Bernd 

          WGF-Nutzer, Stufe I

          Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

          Hallo Rainer und die Runde!
          Ist ein Zweikreiser mit Schalenkernspulen leistungsfähiger als ein Zweikreiser mit Flachspulen?
          Ich habe noch nie mit Flachspulen experimentiert, daher die Frage.
          Viele Grüße,
          Bernd

            25.04.07 06:39
            wumpus 

            Administrator

            Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

            Zitat:



            Hallo Rainer und die Runde!
            Ist ein Zweikreiser mit Schalenkernspulen leistungsfähiger als ein Zweikreiser mit Flachspulen?
            Ich habe noch nie mit Flachspulen experimentiert, daher die Frage.
            Viele Grüße,
            Bernd



            Hallo Bernd,
            ja das kann man so sagen. Auf meiner Q-Faktor-Seite kann der dort unten gezeigten Tabelle zumindest der Trend entnommen werden. Neben anderem ist eben auch die Drahtlänge von Bedeutung. Bei einer Spinnennetzspule kommen je nach L schon mal 20 Meter Litze zusammen, bei einem vergleichbaren L mit Schalenkernspule sind es nur ca. 3 Meter Draht.

            MFG Rainer

            Möge die Welle mit uns sein.

              Genereller Hinweis: Die Anwendung der Groß/Kleinschreibung erleichtert die Lesbarkeit von Beiträgen..
              25.04.07 08:59
              Gerd

              nicht registriert

              Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

              Hallo,

              das kann man nicht so pauschal beantworten.
              Die Ferritspulen haben den Vorteil, daß sie recht klein bauen, und bei einem ausgewogenen Verhältnis von Draht- und Kernverlusten recht hohe Güten erlauben, sie stellen aber nicht das Optimum dar.

              Die Güte nur am Wicklungswiderstand festzumachen ist eine unzulässige Vereinfachung, wenn man generell verschiedene Konstruktionen betrachtet. Die Güte ist das Verhältnis des induktiven Widerstandes zu dem Verlustwiderstand. Letzterer beinhaltet aber außer dem ohmschen Widerstand der Wicklung sämtliche anderen Verluste, welche besonders bei Ferrit-Schalenkernen recht hoch sind.
              Wäre das nicht so, so wären nicht solche maßnahmen wie das Aufpolstern über dem Luftspalt notwendig.

              Mal als Beispiel gerechnet: eine durchschnittliche Luftspule 180µH habe einen Kupferwiderstand von 2 Ohm, die Güte bei 1MHz beträgt theoretisch :
              2*Pi*f*180µH / 2Ohm, also 2*Pi*1e6*180e-6/2 = Pi*180 = 565
              Diese Spule braucht ca. 12m Litze, die praktisch erreichbare Güte beträgt mit bezahlbarer Litze um 250-300, mit fast unbezahlbarer sind 450-500 erreichbar

              Auf einem Schalenkern passen die 12m nicht drauf, Deine Schalenkernspule P18x11/M33 hat einen AL-Wert von 100nH, also brauchst Du 42 Windungen für 180µH. Bei einer geschätzten Windungslänge von 3,4cm macht das ca. 1,5m. Der ohmsche Widerstand ist also nur noch 0,25 Ohm, die theoretisch erreichbare Güte müßte also 8 mal höher sein als bei der Luftspule, nämlich ca. 4500 ! Daß sie in der Realität auch nur bei 400 liegt, ist den vielen zusätzlichen Verlusten zu verdanken, welche den wirksamen Widerstand auf über 2,8 Ohm erhöhen.

              Ich habe es mit einer sehr guten Flachspule ausprobiert, welche bei 1MHz eine Güte von knapp 620 hat. Nur eine kleine Ferrithülse in der Mitte der Spule plaziert, weit weg von den Windungen, reduziert die Güte trotz Induktivitätserhöhung auf gut 400. Also Verluste ohne Ende.

              Der Vorteil der Ferritkerne liegt also nicht darin, daß man damit extra hohe Güten erreichen kann, sondern darin, daß kleine, gut handhabbare Spulen entstehen, welche sich in der industriellen Fertigung leicht herstellen und verarbeiten lassen.
              Für die bemühungen um möglichst niedrige Verluste sind sie weniger geeignet, hier lassen sich die besten Ergebnisse tatsächlich mit reinen Luftspulen erzielen.

              Der skelettierte Spulenkörper zeigt es ja schon: Du ersetzt möglichst viel Spulenkörpermaterial durch Luft, um geringere Verluste zu erzielen.

              Im Prinzip kennst Du auch die Aussagen über Drehkos: keramikisolierte Luftdrehkos sind mit Abstand besser als solche mit anderen Dielektrika oder den einfachen Pertinaxhalterungen für den Stator.

              gg

                25.04.07 15:07
                wumpus 

                Administrator

                Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

                Zitat:



                Hallo Rainer und die Runde!
                Ist ein Zweikreiser mit Schalenkernspulen leistungsfähiger als ein Zweikreiser mit Flachspulen?
                Ich habe noch nie mit Flachspulen experimentiert, daher die Frage.
                Viele Grüße,
                Bernd



                Hallo Bernd,
                es ist wohl Tradition geworden, das Gerd jedem meiner Beiträge widerspricht. Ich möchte nun nicht jedesmal darauf eine romanhaft lange Reaktion schreiben (müssen). Nimm meinen Beitrag so wie er gemeint ist: kurz und kompakt gewortet. Ich will nicht und werde nicht im Forum bei jedem Punkt eines Thema alle "wenns" und "abers" reflektieren. Ich denke, dass wollen die meisten Nutzer auch nicht. Es ist immer so: Man kann zu jedem Thema und zu jeder Antwort etwas ergänzen oder beanstanden. Aber wer will das wirklich?

                Zum Gerd eine Anmerkung: Er rief mich an und wollte mit mir über die Welle diskutieren. Nachdem er JEDEN meiner Sätze mit "falsch", "nein", "so ist das nicht" usw unterbrochen hatte, gewann ich den Eindruck, dass Gerd nur einen Fachmann kennt, sich selbst.

                (Normalerweise vermeide ich solche Anmerkungen, aber ich denke, hier wird sie mal nötig).

                Nochmal zu Deiner ursprünglichen Frage:
                Ist ein Zweikreiser mit Schalenkernspulen leistungsfähiger als ein Zweikreiser mit Flachspulen?

                Der Begriff leistungsfähiger ist natürlich noch präzisierbar. Soll hohe Selektivität oder hohe Resonanzspannung oder beides (als Kompromiss) erreicht werden?
                Bei einem Zweikreiser ist die Selektivität typischerweise schon besser als beim Einkreiser. So könnte mehr Wert auf hohe Resonanzspannung gelegt werden. Du siehst, es kommt also auch auf die Zielvorgabe an. Es gibt Detektorschaltungen, wo sich der Operator entscheiden kann, was er gerade will.

                Lies Dir doch auch auf meinen Detektorseiten die Tipps und Tricks hinsichtlich der weiteren Bauteile durch, wie Kondensatoren, Isolierungen, Schallwandler. Insbesondere den Punkt der sogenannten "soundpowered" Headphones. Die bringen unter Umständen schlagartig mehr Leistung ins Gerät als die Wahl zwischen Spiderweb und Topfkern.
                MFG Rainer

                Möge die Welle mit uns sein.

                  25.04.07 20:09
                  Gerd

                  nicht registriert

                  Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

                  Hallo,

                  für die paar tage, wo ich hier schreibe, würde ich nicht von Tradition sprechen. Ich erwarte auch keine romanhafte Reaktion auf meine Beiträge.

                  Aber kurz und kompakt geantwortet bedeutet doch nicht automatisch, daß die Antwort auch korrekt ist.
                  Auf Bernds Frage wäre eine kompakte und kurze Antwort "Nein".
                  Eine etwas ausführlichere Antwort mit den entsprechenden Begründungen habe ich gegeben, weil die Frage nicht nur mit Ja oder nein zu beantworten ist, sondern, wie Du es ja auch weiter unten getan hast, es dabei auch auf ein paar andere Dinge ankommt.

                  Zu Deiner Anmerkung, meine Person betreffend, kann ich nur sagen, daß es hier sicher eher ein kommunikatives Problem gibt. Ich äußere mich nur zu Dingen, von denen ich auch etwas verstehe, die ich halbwegs durchschaue und wo mir auch genügend Hintergrund durch eigene Messungen/Experimente zur Verfügung steht, um darüber zu sprechen.
                  Fachleute kenne ich eine ganze Menge, von denen ich auch lerne. Sei es durch gespräche oder die vielen guten Bücher, die es zu diesen Themen gibt.

                  Ich kann verstehen, daß der eine oder andere vielleicht mit meinem Schreibstil nicht zurechtkommt, ihm vielleicht auch die direkte Art etwas widerstrebt. Aber das sollte doch nicht davon abhalten, sich mal das inhaltliche meiner beiträge etwas zu Gemüte zu führen.
                  Es gibt eine ganze Menge Dinge, auch bei Detektoren, Spulen und Schwingkreisen, welche klar definiert sind und denen einfache physikalische Vorgänge und gegebenheiten zu Grunde liegen, und die man auch eindeutig beschreiben und nachvollziehen kann. Da kann man argumentieren wie man will, man kommt nicht daran vorbei.
                  Wenn ich also irgendwo sehe, daß etwas falsch dargestellt wird, aus vielleicht falschen Schlußfolgerungen aus eigenen Meßergebnissen interpretiert wird oder auch nur auf einer Meinung beharrt wird, und dabei gegen geltende Physik verstoßen wird, melde ich halt Widerspruch an.

                  Physikalische Fakten sind nicht verhandelbar, deshalb heißen sie Fakten.

                  Falls Du oder andere sich durch meine Beiträge persönlich angegriffen fühlen, so tut es mir leid. Das lag nicht in meiner Absicht. Ich hatte gehofft, ein wenig Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. Daß nun eher über persönliche befindlichkeiten als über technische Inhalte diskutiert wird, halte ich für wenig hilfreich.

                  gg

                    Genereller Hinweis: Die Anwendung der Groß/Kleinschreibung erleichtert die Lesbarkeit von Beiträgen..
                    25.04.07 20:43
                    Klaus 

                    Administrator

                    Re: Eignung von Acrylglas für Hochfrequenz

                    Hallo,

                    dieses und das Vorgängerforum habe ich in der Vergangenheit kennengelernt als Forum, in dem mehr oder weniger Nichttechniker mit Freude an alten Geräten Hilfe und Rat bei der Instandsetztung sowie allgemeinen Fragen erhalten haben.

                    Dass dabei nicht immer der physikalisch korrekte Sachverhalt oder gar die wissenschaftlich korrekte Formulierung gewählt wurde, sollte man m.E. inbetracht der überwiegenden Zielgruppe als gegeben und unerheblich ansehen.

                    Wer sich in Formeln und Herleitungen austoben möchte, sucht sich i.d.R. ein anderes Forum, derer es viele gibt.

                    Bislang hatte ich immer den Eindruck, dass den hier Ratsuchenden zur Zufriedenheit geholfen wurde.

                    Auch in einem Medizinforum, in dem von Nichtmedizinern geantwortet wird, erwarte ich keine Antworten, die ich im Gespräch mit einem Arzt wünsche.

                    Für mich kann ich nur sagen, dass mir dieses Forum und Rainers Arbeit bislang sehr gut gefallen haben und die Resonanz über die Jahre bestätigt, dass ich damit nicht alleine stehe.

                    Also lassen wir das Forum so, wie es bislang gut funktionierte und wünschen uns viele weitere, interessante Beiträge - übertriebene Theorieansprüche sind vllt. anderswo besser untergebracht.

                    MfG Klaus

                       1 2
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