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Wumpus-Gollum-Forum von "Welt der Radios".
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RCA Victor Model 110
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21.04.21 21:21
HB9 

WGF-Premiumnutzer

21.04.21 21:21
HB9 

WGF-Premiumnutzer

RCA Victor Model 110

Hallo zusammen,

als neues Restaiurations-Objekt ist mir diese amerikanische Kathedrale zugeschwommen:



Es stammt von RCA Victor aus dem Jahr 1933 und nennt sich schlicht 'Model 110'. Es ist ein 5-Kreis Superhet mit HF-Vorstufe und damit den Europäern voraus, in Europa machte man zwar erste Versuche, aber die Geradeausempfänger waren noch dominant.
Das Gerät macht äusserlich eine gute Falle, es scheint nichts zu fehlen, und der Lack ist auch noch gut. Lediglich an den Kanten gibt es ein paar wenige fehlende Furnierstücke, das kann mit Holzspachtelmasse gefüllt werden. Der Drehknopf für die Bereichswahl scheint nicht mehr Original zu sein, passt aber irgendwie. Die Röhren sehen äusserlich noch gut aus, der elektrische Zustand kommt später aus.
Offenbar wurde das Gerät privat importiert, denn es ist die 110V-Variante, obwohl gemäss Einzelteil-Liste auch ein 220/240V-Trafo angeboten wurde. Mit 28*35*18cm ist es ausgesprochen klein. So wie es aussieht, hatte es nie eine Rückwand, jedenfalls habe ich keine Befestigungsmöglichkeit entdeckt und auch kein einziges Bild einer Rückwand.

Hier noch ein Blick in das Gerät:



Das Gerät kann die Bereiche 540..1500kHz (amerikanische Mittelwelle, 'Broadcast-Band') und 1400..2800kHz empfangen. Im Gegensatz zu den europäischen Geräten sind hier auf der Skala die Frequenzen angeschrieben. In der Bedienungsanleitung sind die in diesem oberen Band tätigen Funkdienste aufgeführt (Polizei, Flugfunk, 160m-Amateurband).

Es ist wie bereits erwähnt ein Superhet mit einer ZF von 175kHz. Es besteht aus der ein- und ausgangsseitig abgestimmten HF-Stufe mit einer Pentode vom Typ 58, danach die Heptode SA7 (die als Oktode funktioniert, es fehlt das Bremsgitter) als Oszillator und Mischer. Danach folgt ein zweikreisiges ZF-Bandfilter. Als Besonderheit sucht man hier den ZF-Verstärker vergebens, denn nach dem ZF-Filter folgt ein Audion als Demodulator mit der Pentode 57. Am Ausgang des Audions folgt als weitere Besonderheit ein PI-Filter für die NF-Filterung und ZF-Unterdrückung. Darauf folgt mit der 2A5 die NF-Endstufe, die nach Bedienungsanleitung 1.75W liefert. Der Lautsprecher ist ein dynamischer Typ mit elektrischer Erregung, die Erregerspule dient wie üblich als Siebdrossel. Eine Zweiweg-Gleichrichterröhre vom Typ 80 sorgt für die Anodenspannung. Mit Ausnahme der Gleichrichterröhre sind alle Röhren indirekt mit 2.5V geheizt, also eine exotische Heizspannung.

Als Komfortelement gibt es noch eine stufenlos einstellbare Tonblende. Die Lautstärkeregelung ist etwas speziell. Das Lautstärkepoti ist nicht im Signalpfad, sondern stellt die Kathodenspannung der HF- und Mischröhre und damit die HF-Verstärkung ein. So wird eine Übersteuerung des Audions und Brummeinstreuung vermieden, dafür bleibt bei starken Sendern eine Mindestlautstärke.

Mal sehen, was bei der elektrischen Restaurierung hervorkommt und welche Empfangsleistungen das Gerät bringt. Fair ist der Vergleich mit meinem Philips 736a von 1934 (3-Kreis-Geradeausempfänger).

Wenn die Lichtverhältnisse besser und das Gerät gereinig ist, folgen noch bessere Bilder.

Gruss HB9

Zuletzt bearbeitet am 26.04.21 11:20

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hinten.JPG hinten.JPG (30x)

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vorne.JPG vorne.JPG (29x)

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22.04.21 20:42
HB9 

WGF-Premiumnutzer

22.04.21 20:42
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: RCA Vicor Model 110

Hallo zusammen,

ich habe mal eine erste Bestandesaufnahme gemacht. Zuerst noch ein Bild in besserem Licht:



Das Gehäuse lässt sich wohl mit wenig Aufwand restaurieren, die kleinen Furnierschäden werden mit Holzspachtel gefüllt. Ein etwas grösserer Schaden ist auf der Rückseite vom einen Standfuss, dort fehlt ein Stück. Mal sehen, ob ich das einfach durch Färben kaschiere, weil es auf der Rückseite vom Fuss ist und daher nicht auffällt, oder das fehlende Teil mit Spachtelmasse nachbilde.

Das Chassis selber hat ein paar rostige Stellen, das lässt sich aber herrichten:



Interessant ist, dass der Lautsprecher am Chassis befestigt ist, wohl aus Kostengründen. Ebenso ist fast alles genietet oder mit umgebogenen Blechlaschen befestigt und nicht mit Schrauben wie bei den europäischen Geräten, sogar der Netztrafo ist mit Blechlaschen befestigt.

Hier noch die Unterseite vom Chassis, da wartet die meiste Arbeit:



Es gibt einige Teerbomben, die schon vom Aussehen her nach einem Tausch schreien. Auch die beiden Elkos sehen nicht sehr vertrauenswürdig aus (das Paket rechts in der Mitte mit dem gelben Aufkleber). Da es ein kleines Chassis ist, ist es entsprechend gedrängt, und die ungeschützten Oszillatorspulen hinten sind mit Teerbomben umringt.

Hier noch die gereinigten Röhren, alles RCA-Originaltypen:



Hier noch die Holz-Drehknöpfe, der kleine ganz rechts ist nicht original, da gehört eigentlich ein gleicher Knopf hin.



Somit wird es mir in nächster Zeit nicht langweilig...

Gruss HB9

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Chassis unten.jpg Chassis unten.jpg (29x)

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Chassis.jpg Chassis.jpg (27x)

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Drehknöpfe.jpg Drehknöpfe.jpg (30x)

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Röhren.jpg Röhren.jpg (30x)

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vorne.jpg vorne.jpg (31x)

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23.04.21 16:16
Roehren-Lutz 

WGF-Nutzer Stufe 2

23.04.21 16:16
Roehren-Lutz 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: RCA Vicor Model 110

Hallo HB9,

das ist ja ein wundervolles Gerät!
Ich wünsche Dir viel Spaß und Erfolg bei der Restauration.
Da ist ja einiges zu tun.

Viele Grüße
Lutz

23.04.21 20:51
HB9 

WGF-Premiumnutzer

23.04.21 20:51
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: RCA Vicor Model 110

Hallo Lutz,

die Schaltung ist von der Bauteilzahl noch überschaubar, so dass sich die Anzahl defekter Bauteile in Grenzen halten muss, zudem ist nichts verbastelt, das erleichtert die Sache. Der Verdrahtungsplan hilft ebenfalls, auch wenn diverse Bauteile anders aussehen als man sich gewohnt ist. Nach längerem Suchen habe ich mittlerweile die Abgleichkondensatoren gefunden, die sind gut getarnt. Die Isolation der Litzen ist glücklicherweise nicht Gummi, sondern ein getränktes Stoffgeflecht, damit ist sie noch gut und die Litzen müssen nicht ersetzt werden.

Mechanisch ist nichts verharzt, das ist auch positiv. Der Abstimmantrieb ist interessant gelöst: Zwischen Drehko-Achse und Bedien-Achse sitzt ein Planetengetriebe. So gibt es kein gerissenes Skalenseil, und das ganze macht einen präzisen Eindruck. Der Philips 736a hat ja auch ein Getriebe für die Abstimmung, was sehr angenehm und vor allem präzis ist, da die Zahnräder gegeneinander verspannt sind.

Die Röhren werden auch mal grob geprüft. Der Getter glänzt noch, somit ist das Vakuum noch drin. Wenn man sie heizt, kann man einfach den Gitter-Anlaufstrom messen, um so einen Anhaltspunkt zu haben, ob die Kathode noch emittiert. Ein Röhrenprüfgerät habe ich nicht, aber das ist auch nicht unbedingt notwendig. Der Anodenstrom kann ja einfach in der Schaltung gemessen werden, wenn man die Röhre im Verdacht hat. Mindestens für die Gleichrichterröhre habe ich noch eine Ersatzröhre auf Lager, somit ist diese gemäss Murphy sicher neuwertig Eventuell ist noch eine andere Ersatzröhre vorhanden. Aber meistens sind die Röhren ja noch brauchbar bis gut.

Am Gehäuse hatte schon mal einer Reparaturen am Furnier gemacht, somit bin ich da nicht der erste. Uralt-Furnier ist auch heikel, wenn er sich irgendwo löst, der ist hart und brüchig wie Glas. Aber wenn ich an den 736a denke, ist dieses Gehäuse fast im Neuzustand. Die Kathedralenform hat natürlich den Vorteil, dass man keinen Blumentopf draufstellen kann, damit gibt es auch keine Wasserschäden.

Was mir als Sparmassnahme auch noch aufgefallen ist: Die Anschlüsse für Antenne und Erde sind etwa 30cm lange Litzen mit freien Enden. In der Anleitung steht, dass man die Verbindungsstelle zwischen Antennendraht und der Anschlusslitze mit Isolierband umwickeln soll Als optimale Antennenlänge wird 25..75 Fuss angegeben, also etwa 8..25m, und bei Gebäuden mit Metallfassade sei eine Aussenantenne Pflicht.

Gruss HB9

Zuletzt bearbeitet am 23.04.21 20:55

24.04.21 19:09
Roehren-Lutz 

WGF-Nutzer Stufe 2

24.04.21 19:09
Roehren-Lutz 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: RCA Vicor Model 110

Hallo HB9,

da bin ich gespannt, wenn Du das Radio "fertig" hast!
Wenn Du dann Fotos einstellst, würde ich mich sehr freuen.
Wie Du auch schon geschrieben hast: Die Chassisunterseite sieht etwas fummelig aus.

Viele Grüße
Lutz

24.04.21 19:20
HB9 

WGF-Premiumnutzer

24.04.21 19:20
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: RCA Vicor Model 110

Hallo zusammen,

heute habe ich mal die Bauteile inspiziert und habe Folgendes festgestellt:

- Lautstärkepoti (Drahtpoti) hatte schlechten Kontakt, mit Öffnen und Kontakt-Chemie war Problem gelöst
- Fast alle Widerstände (Kohle-Typ) sind hochohmig geworden und ersetzt
- Die 'Teerbomben' sind auch ersetzt, sie waren mit Leckströmen um 20uA noch erstaunlich fit, aber nicht gut genug
- Der grosse 10uF-Elko hat keine Kapazität mehr, die beiden 4uF-Typen sind am Formieren und können eventuell gerettet werden.
- Die Qualität der Verdrahtung ist sehr gut, ebenso die Isolation der Drähte.
- Ein Kohleschicht-Leistungswiderstand wurde bereits von einem Vorbesitzer getauscht.

Die Zugänglichkeit an den Röhrenfassungen im HF-Teil ist extrem schlecht, und für den Bauteil-Tausch am Audion musste ich die PI-Filter-Drossel ausbauen, was glücklicherweise möglich ist. Das ZF-Filter war auch im Weg, aber das konnte ich nicht ausbauen, weil man nicht an die Anschlüsse herankommt. Die amerikanischen Löterinnen können da offenbar mehr als ich, Hut ab!

Beim Lautstärkepoti baue ich noch eine Schutz-Zenerdiode ein. So wie es jetzt ist, liegt bei einem Kontaktversagen des Schleifers die volle Anodenspannung an den Kathoden der HF- und Mischröhre, was eine viel zu hohe Spannung zwischen Kathode und Heizfaden ergibt. Mit einer Z-Diode kann diese Spannung im Fehlerfall begrenzt werden, im Normalbetrieb hat sie keine Wirkung. So sind die Röhren geschützt.

Hier noch ein Bild von ein paar getauschten Papierkondensatoren und Widerständen:



Selbstverständlich gibt es weitere Bilder von der Restauration.

Gruss HB9

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Bauteile.JPG Bauteile.JPG (24x)

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25.04.21 16:29
HB9 

WGF-Premiumnutzer

25.04.21 16:29
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: RCA Vicor Model 110

Hallo zusammen,

das Radio hat die ersten Lebenszeichen von sich gegeben. Die Röhren sind sicher noch brauchbar, eventuell sogar noch gut, das habe ich noch nicht kontrolliert. Der erste Test mit dem Signalgenerator sah nicht schlecht aus. Die Trennschärfe ist erstaunlich gut trotz nur einem ZF-Filter, und die Spiegelfrequenzunterdrückung ist dank 2 Vorkreisen auch gut. ZF-Durchschlag ist nicht vorhanden, wäre hier aber auch unkritisch, da auf 175kHz Marokko sendet, und der kommt bei mir recht schwach an.

An der Stromversorgung gibt es noch zu messen und eventuell zu ändern. Beim Anheizen steigt die Spannung auf 400V, und das ist für einen 350V-Elko etwas viel (einen anderen hatte ich nicht auf Lager). Die beiden 4uF-Siebelkos habe ich recht gut wiederbeleben können, bei 300V ist der Leckstrom von beiden zusammen unter 1mA mit sinkender Tendenz, und gemäss Anleitung ist die Spannung im Betrieb etwa 230V, da ist der Leckstrom noch viel kleiner.
Beim ersten Test mit dem Labornetzteil als Anodenspannungsquelle zeigte sich, dass das Radio bereits mit 60V funktioniert, einfach mit nur wenig Ausgangsleistung, aber immerhin. Die Röhren lassen sich recht viel Zeit beim Anheizen, ein starker Kontrast zu den Nachfolgeröhren, die in meinem Biennophone 2066 verbaut sind und nur etwa 10..15 Sekunden Anheizzeit haben.

Der Trafo arbeitet mit 50Hz schon ordentlich an der Sättigungsgrenze, der Magnetisierungsstrom ist recht hoch, aber der Trafo bleibt kalt. Nach Typenschild sind 50Hz bei 115V erlaubt, aber offenbar hatte man ihn knapp ausgelegt, weil der Normalfall ja 60Hz ist, und da ist die Flussdichte im Eisen etwa 20% niedriger. Sicherheitshalber habe ich eingangsseitig noch eine Sicherung spendiert, das kann nicht schaden.

Jetzt warte ich auf die Dämmerung und damit auf starke Sender. Dank eines neuen Störsenders im Quartier empfange ich momentan den italienischen Bodenwellensender aus Mailand nicht mehr

Gruss HB9

25.04.21 17:14
Roehren-Lutz 

WGF-Nutzer Stufe 2

25.04.21 17:14
Roehren-Lutz 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: RCA Vicor Model 110

Hallo HB9,

das liest sich ja alles sehr vielversprechend.
Hut ab vor Deinem intensiven Einsatz!
Meiner einer hätte das vermutl. auf 2 - 3 Wochen gestreckt...

Ich finde es einfach toll, wenn solche alten Radios wieder zum Leben erweckt werden.

Viele Grüße
Lutz

25.04.21 20:31
HB9 

WGF-Premiumnutzer

25.04.21 20:31
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: RCA Victor Model 110

Hallo zusammen,

die Abenddämmerung und damit die MW-Sender sind gekommen und ich konnte erste Empfangs-Eindrücke sammeln. Die Tonqualität macht einen guten Eindruck, wobei der offene Lautsprecher natürlich stark höhenbetont ist. Das Audion gibt keine wesentlichen Verzerrungen, und die Trennschärfe ist nicht schlecht, wenn auch nicht spitzenmässig, aber es ist ja auch nur ein Fünfkreiser. Die Lautstärke ist bei starken Sendern sehr gut, aber wegen der fehlenden Schwundregelung sind schwache Sender beim Durchstimmen sehr leise.

Der Gleichlauf stimmt nicht, da gibt es also noch etwas abzugleichen, aber das ist nach 88 Jahren ja normal, zudem wurden die elektrischen Eigenschaften durch den Bauteiltausch auch verändert. Dank Abgleichanleitung dürfte das kein Problem sein.

Interessant finde ich, dass dieses Radio trotz Superhet keine Schwundregelung hat. Mit einem Audion als Demodulator geht es auch nicht wirklich, aber mit einer Verbundröhre Diode + NF-Triode wäre es ja gegangen. Naja, mit einem Empfänger ohne Schwundregelung zu hören ist auch mal was Neues. Weiter gibt es keinen Plattenspielereingang, was doch eher erstaunt, denn zu dieser Zeit ist ein 5-Röhren-Empfänger ja nicht unbedingt das Einstiegsmodell... aber für einen Plattenspieler-Eingang wäre eine NF-Lautstärkeregelung notwendig gewesen, und bei diesem Gerät wird die Lautstärke durch die Gittervorspannung der HF- und Mischröhre eingestellt, also eine HF-Regelung.

Bei der Instandsetzung der Elektronik sind mir noch ein paar kleine Eingriffe von früheren Besitzern aufgefallen. Der NF-Ausgangstrafo ist nicht mehr original befestigt (angenietet), sondern einseitig angeschraubt. Offenbar wurde er mal ausgebaut. Da dieser Ort kaum zugänglich ist, lasse ich das mal so, Hauptsache ist, dass er ausreichend befestigt ist. Das Netz-Anschlusskabel ist vermutlich auch nicht mehr original, es ist ein PVC-Kabel, aber der amerikanische Netzstecker dürfte noch original sein. Weiter hat es einen Kleber im Gerät von einem Radiogeschäft im Tessin mit dem Datum November 1989. Offenbar wurde in diesem Jahr das Gerät in der Schweiz repariert.

Nun folgt die gründliche Chassis-Reinigung, der Abgleich und der 'Feinschliff' der Stromversorgung. Beim Gehäuse gibt es noch ein paar Ausbesserungen und danach eine schützende Lackschicht.

Bei den Kohlewiderständen habe ich auch noch zwei enttarnt, die viel zu niedrige Werte hatten, offenbar werden nicht alle hochohmig. Jedenfalls scheinen diese Widerstände nicht langzeitstabil zu sein, da waren die im Philips 736a wesentlich stabiler, es waren fast alle noch gut.

Insgesamt war die elektrische Instandsetzung bisher wesentlich einfacher als ich befürchtet hatte. Für ein 88-jähriges Gerät ist es ausgesprochen pflegeleicht und hat bis jetzt auch keine Launen.

Gruss HB9

Zuletzt bearbeitet am 25.04.21 20:36

28.04.21 16:00
HB9 

WGF-Premiumnutzer

28.04.21 16:00
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: RCA Victor Model 110

Hallo zusammen,

der Mittelwellenbereich funktioniert jetzt wieder so, wie er soll, und der Sender Solt auf 540kHz konnte am frühen Nachmittag verständlich empfangen werden (wenn man Ungarisch verstehen würde). Der obere Wellenbereich hat noch ein Problem, der Frequenzbereich und der Gleichlauf lässt sich nicht korrekt abgleichen, eventuell hat der Wellenschalter da noch ein Kontaktproblem.

Hier die Chassis-Unterseite nach der Kondensator- und Widerstands-Tauschaktion:



Hier der kapazitätsfreie 10uF-Kondensator:



Eventuell höhle ich den aus und montiere einen neuen Kondensator darin, momentan ist der Ersatz frei unter der Gleichrichterröhre montiert. Da dies ein 350V-Typ ist und beim Anheizen die Spannung auf 400V ansteigt, ist hier sowieso noch Nachbesserung angesagt.

Hier noch der Lautsprecher, dank der offenen Bauweise sieht man schön die äussere Polplatte (senkrecht), links davon den stabförmigen inneren Pol, weiter links die Erregerspule, und rechts der Polplatte erkennt man noch ein paar Windungen der Schwingspule. Die offene Bauform ist natürlich anfällig auf Verschmutzung, aber man bringt den Schmutz aber auch weider aus dem Luftspalt raus. Interessant ist noch die Membran, die ist zusammengeklebt und nicht aus einem Stück gepresst wie sonst üblich.



Nun muss ich noch einen passenden 10uF-Elko beschaffen und den oberen Wellenbereich (1.4 .. 2.8MHz) in Ordnung bringen, insbesondere der Bereich unterhalt 2MHz ist hier interessant (oberes MW-Ende, Piratensender). Auch der restliche Staub und Rost will noch entfernt werden. Die Röhren sind noch sehr gut, da habe ich Glück gehabt.

Gruss HB9

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Chassis unten.jpg Chassis unten.jpg (58x)

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Elko.jpg Elko.jpg (22x)

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Lautsprecher.jpg Lautsprecher.jpg (58x)

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