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Audionvarianten
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04.01.20 23:35
HB9 

WGF-Premiumnutzer

04.01.20 23:35
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: Audionvarianten

Hallo Jens,

die Verzerrungen in Abhängigkeit der Anoden- von der Schirmgitterspannung sind stark von der Röhrenkonstruktion abhängig, daher hilft hier nur das Datenblatt. Dort gibt es normalerweise Kennlinien, welche den Anodenstrom in Abhängigkeit der Anodenspannung bei verschiedenen Steuer- und teilweise auch Schirmgitterspannungen zeigen. Bei hohen Anodenspannungen sind diese Kennlinien gerade und fast horizontal, bei niedrigen Anodenspannungen stark gekrümmt. Ab welcher Spannung sie gerade werden, hängt von der Röhre ab. Die EF184 und auch die meisten Endpentoden haben Schirmgitterspannungen von 200..250V und somit meistens eine höhere Spannung als die Anode, während z.B. eine EF41 nur 60V Schirmgitterspannung hat. Bei sehr niedrigen Anodenspannungen und gleichzeitig hohen Schirmgitterspannungen kann es zum 'Elektronentanz' (Barkhausen-Kurzschwingung) kommen, wenn die Elektronen vom Schirmgitter zurückgezogen werden, bevor sie die Anode erreicht haben. Neben einer sehr hässlichen Kennlinie gibt dieser Betrieb auch starke, breitbandige HF-Störungen, welche 'unerklärbar' sind.

Ob Trioden als Audione grundsätzlich weniger verzerren, weiss ich nicht, aber mein erstes Audion hatte mit der EC92 ebenfalls eine Triode und einen guten Ton. Eventuell hilft der niedrige Innenwiderstand, der im Prinzip dasselbe ist wie ein niederohmiger Anodenwiderstand, da er diesem signalmässig parallelgeschaltet ist. Nach Datenblatt hat die EC92 einen Innenwiderstand von 10.7k und liegt damit recht niederohmig im Vergleich zu den bei üblichen Pentoden-Audionschaltungen verwendeten 100..200k.

Ein Vorteil haben Trioden noch: sie rauschen weniger als Pentoden, was aber erst im oberen KW-Bereich relevant wird, auf LW und MW und auch der unteren KW ist das natürliche Rauschen (und die EMV-Verseuchung) wesentlich grösser als das Rauschen der Röhre. Spanngitter-Trioden (ECC88, EC86, EC88) haben noch den Vorteil der praktisch nicht vorhandenen Mikrophonie, die bei gewissen Pentoden stören kann.

Gruss HB9

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05.01.20 11:34
basteljero 

WGF-Premiumnutzer

05.01.20 11:34
basteljero 

WGF-Premiumnutzer

Re: Audionvarianten

Hallo HB9,
Zu der Triodenschaltung bin ich hauptsächlich deshalb übergegangen, weil ich keine Lust mehr hatte,
immer den Rückkopplungseinsatz mit der maximalen NF-Verstärkung der Pentode abzustimmen.
Da ich außerdem meist "Variante 3" verwende, ist die Brumm-Einstreuung bei hoher NF-Nachverstärkung
über die Rückkopplungsspule vernachlässigbar.
Auch schien mir auch der Rückkoppluns-Einsatz weicher und von der jeweiligen Röhre unabhängiger zu sein,
könnte natürlich auch mit den Aufbauten seinerzeit zusammenhängen.
Der Einstell-Bereich (Anodenstrom) ist auch sehr groß, siehe Beitrag von Walter weiter vorne.

Wie auch immer, wir wollen Joe nicht vergessen mit seinen 12SH1, deshalb noch folgender Link:
https://radio-bastler.de/forum/showthread.php?tid=10816

Existiert dein EF 184-Aufbau noch? Es wäre für mich interessant zu wissen, ob die EF 183 mit ihrer Regelkennlinie
etwas weicher im Einsatz der Rückkopplung ist. Mir erschienen die typischen Oszillator-Röhren (z.B. ECC82)
diesbezüglich immer am besten geeignet.

Eine weitere Frage hat mich schon immer beschäftigt:
Bekanntermaßen kann man durch stärkeres Anziehen der Rückkopplung SSB-Signale verständlich
wiedergeben, das Audion erzeugt den fehlenden Träger selbst.
Kann es sein, das bei schwach angezogener Rückkopplung ein AM-Signal weniger stark durchmoduliert
erscheint und der Klang des gut eingestellten Audions etwas besser ist als "theoretisch" zu erwarten wäre?

Jens

Zuletzt bearbeitet am 05.01.20 15:26

06.01.20 08:20
HB9 

WGF-Premiumnutzer

06.01.20 08:20
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: Audionvarianten

Hallo Jens,

mein EF184-Audion existiert noch. Ich hatte damit folgende Röhren ausprobiert: EF80, EF85, EF89, EF183, EF184.
Der Rückkopplungseinsatz ist bei allen butterweich von LW bis KW, und auch die Empfangs- und Demodulatoreigenschaften sind sehr ähnlich. Der Unterschied liegt in der Mikrofonie: während die EF183 und EF184 praktisch keine Mikrofonie zeigen (Spanngitterröhren), haben die EF80 und EF85 deutlich hörbare Mikrofonie, sind aber noch verwendbar. Die EF89 hatte eine derart starke Mikrofonie, dass akustische Rückkopplungen entstehen konnten, war also praktisch unbrauchbar. Die EC92 des nicht mehr existierenden Audions hatte ebenfalls etwas Mikrofonie, aber nicht störend.

Man kann tatsächlich AM-Stationen mit leicht überzogener Rückkopplung empfangen, die Tonqualität wird dann sehr gut und der Klang höhenbetont, weil der Bass abgeschwächt wird. In dieser Betriebsart arbeitet die Schaltung aber nicht als Audion, sondern als Direktmischer, also als Superhet mit einer 'Zwischenfrequenz' von 0Hz, es wird also direkt auf NF gemischt. Die Audionröhre arbeitet als 'normaler' selbstschwingender Mischer, dabei wird eine normalerweise unerwünschte Eigenschaft ausgenutzt: Bei selbstschwingenden Mischern neigt der Oszillator dazu, auf die Frequenz eines Eingangssignals in der Nähe der Oszillatorfrequenz 'einzurasten' und synchron dazu zu schwingen. So gibt es abhängig vom Grad der Rückkopplung und dem Pegel des Eingangssignals einen gewissen Abstimmbereich, in dem keine Schwebung auftritt, weil der Oszillator auf das Eingangssignal synchronisiert ist. Diese Eigenschaft wurde übrigens im Körting 'Syntektor' angewendet, allerdings für UKW: Am Ende des ZF-Verstärkers (vor dem FM-Demodulator) gibt es einen selbstschwingenden Mischer, der sich auf die ZF synchronisiert und damit natürlich auch frequenzmoduliert wird. Demoduliert wird anschliessend dieses Oszillatorsignal und nicht die ZF wie sonst üblich. So können AM-Störungen fast vollständig unterdrückt werden, und auch Gleichwellensender stören viel weniger.

Die Mischung entspricht einer Synchrondemodulation, daher spielt die Höhe der Trägeramplitude keine Rolle für die Audioqualität, somit gibt es auch keine Verzerrungen, wenn durch Selektivschwund (Mehrwegempfang oder Gleichwellensender) die Trägeramplitude abfällt. Da sich die Oszillatoramplitude dem Eingangssignal anpasst, ergibt sich zusätzlich eine recht wirksame Schwundregelung, welche auch für die Abschwächung der Bässe verantwortlich ist, diese werden 'weggeregelt'. Der Audion-Schwingkreis dient in dieser Betriebsart nicht zur Sendertrennung, sondern nur zur Erzeugung der Oszillatorschwingung, die Sendertrennung erfolgt im NF-Teil (Tiefpass) und dem menschlichen Ohr, denn die Nachbarsender werden im NF-Spektrum entsprechend dem Versatz der Sendefrequenz verschoben (der NF-Teil entspricht dem ZF-Teil eines Superhets, wegen der ZF von Null gibt es keine Spiegelfrequenz). Zur Beseitigung der Nachbarsender und des störenden 9kHz-Pfeiftons der beiden Nachbarträger lohnt es sich, ein steilflankiges NF-Filter zu bauen, das die Funktion der ZF-Filterung übernimmt.

Gruss HB9

06.01.20 10:19
Reflex-Kalle 

WGF-Nutzer Stufe 3

06.01.20 10:19
Reflex-Kalle 

WGF-Nutzer Stufe 3

Re: Audionvarianten

Schön verständlich erklärt. Danke!

(Reflex-)Kalle

06.01.20 11:02
basteljero 

WGF-Premiumnutzer

06.01.20 11:02
basteljero 

WGF-Premiumnutzer

Re: Audionvarianten

Hallo HB9,
Danke für die sehr hilfreiche Antwort. Die Erfahrung mit der geringen Klingneigung der EF 184/183
besonders, da sollte sich mit 4 gleichen Röhren ein sehr potentes 1V2-Audion aufbauen lassen, und die
"Nachkriegs-Notradio-Schaltungen" mit der RV12 P2000 / RV12 P2001 entsprechend adaptieren.

Während man bei den "tauben" Empfängern wie dem VE301 dazu neigt die Rückkopplung zu überziehen
um überhaupt etwas zu hören, ist bei empfindlicheren Teilen das Audion ganz erstaunlich.

Vor Jahren war das Problem den nur 16 km entfernten MW-Sender in Hamburg-Billwerder kleinzukriegen,
heute stellt sich das "Problem" England gut reinzukriegen. Unter 3 verstärkenden Röhren-Systemen
wird man heute wohl wenig Freude haben.

In Bezug auf Mikrofonie nur ein Projekt mit direkt geheizten Röhren (6088, DF906, 6397sp)
eingestellt, das Nachschwingen des Heizfadens war unerträglich.
Von der 1SH17b gingen ausgemessen so 3%.
Die Triode der indirekt geheizten "Schüttgut"-PCF802 überraschte da positiv, wurde meine "Standard-Röhre".

Das mit der "Mischung" auch interessant, da wird deutlich warum sowas (DRM-Empfang) funktioniert:
http://www.b-kainka.de/kosmos/radiomanndrm.htm
https://www.welt-der-alten-radios.de/a--...bauplan-59.html

Jens

Zuletzt bearbeitet am 06.01.20 11:09

06.01.20 13:26
Feinmechaniker 

WGF-Einsteiger

06.01.20 13:26
Feinmechaniker 

WGF-Einsteiger

Re: Audionvarianten

Angeregt durch die Diskussion zur Anodenspannung und zum Anodenwiderstand habe ich mal die Kennlinie der 12SH1L bei niedrigen Spannungen aufgenommen. Ich werde die Anodenspannung wohl doch größer als 12V machen müssen.

Gruß Joe

Datei-Anhänge
Kennlinie_12SH1L_1.jpg Kennlinie_12SH1L_1.jpg (147x)

Mime-Type: image/jpeg, 78 kB

Kennlinie_12SH1L_2.jpg Kennlinie_12SH1L_2.jpg (133x)

Mime-Type: image/jpeg, 81 kB

06.01.20 17:31
basteljero 

WGF-Premiumnutzer

06.01.20 17:31
basteljero 

WGF-Premiumnutzer

Re: Audionvarianten

Hallo Joe,
sinnvoll allemal, da zur Anodenspannung der Spannungs(ab)fall am Anodenwiderstand hinzugerechnet
werden muß, schließlich will man ja die NF genügend verstärken.
Bei einem 47 kOhm Widerstand und einem Anodenstrom von 1 mA landet man Pi x Daumen so bei
einer Betriebsspannung von 70V.

In Bezug auf Sicherheits-Aspekte empfiehlt sich ein "Spannungsweiches" Netzteil, für deine
Röhrenwahl empfiehlt sich ein 12 V Wechselspannungs- Stecker- Netzteil mit nachfolgender Aufwärts-
Transformation. Da bist du erstmal weg von der Netzspannung, denn da hört der Spaß wirklich auf.
Prinzip aber wie hier:
http://www.schienentiger.de/eco_audion/eco_audion.html

Wichtig ist, dass die Heizung seperat und verdrillt zum Netzteil geführt wird, verwendet man zur Aufwärts-Transformation
einen 2x6V / 2x115V Printrafo (ca. 2,5VA) kann man die Mittelanzapfung des Aufwärts-Trafos nach Masse führen und
brummarm mit symmetrischer Heizung arbeiten.

Gleichstromheizung benötigt man bei korrektem Aufbau normalerweise nicht.

Es ist übrigens auch möglich mit 2 (Anoden-) Betriebsspannungen zu arbeiten:
Etwa 80V-100V für die Versorgung von Audion und (Kopfhörer)-Endstufe, eine mit doppelter Spannung für die NF-Vorverstärker-Stufe,
diese braucht nur einen kleinen Strom liefern und nutzt die maximale Verstärkung deiner Röhre aus.
(Die dankenswerter Weise elektrisch der "P2000" entspricht).
http://lucafusari.altervista.org/page17/...V12P2000_RW.pdf

Jens

Zuletzt bearbeitet am 06.01.20 19:17

07.01.20 09:51
Vorkreis 

WGF-Nutzer Stufe 3

07.01.20 09:51
Vorkreis 

WGF-Nutzer Stufe 3

Re: Audionvarianten

Hallo Joe,

ich habe in den letzten Jahren einige Audione gebaut, fast ausschließlich 2-Kreiser. Alle mit unterschiedlichen Röhrensätzen.
Unterschiede in der Empfangsleistung gab es praktisch keine. Auch habe ich verschiedene Audionvarianten ausprobiert. Im Prinzip funktionieren sie alle gut, bei entsprechend sorgfältigem Aufbau. Die Unterschiede wurden hier bereits genannt.
Batterieröhren der 90er Serie sind preiswert und der Umgang damit ziemlich ungefährlich.
Mit dieser Schaltung hatte ich besonders viel Spass...
Kürzlich hatte ich dem Gerät zusätzlich einen niederohmigen Antennenanschluss verpasst. Er läuft damit an einer Breitbandloop
ganz ausgezeichnet. Allerdings sollte die Kopplung sehr schwach sein, da ein Audion schnell übersteuert ist.

https://www.wumpus-gollum-forum.de/forum...&thread=230

Gruß
Jürgen

07.01.20 10:46
Feinmechaniker 

WGF-Einsteiger

07.01.20 10:46
Feinmechaniker 

WGF-Einsteiger

Re: Audionvarianten

Vielen Dank für die viele Unterstützung!

Gestern konnte ich an einigen Metern Draht in den Abendstunden die ersten Sender empfangen. Nun wandert der Aufbau vom Steckbrett in eine ordentliche Kiste :-)
Die ca. 70 Volt bei etwa 1 mA Anodenstrom habe ich in alten historischen Schaltungen dann auch gefunden. Eure Links dazu haben mir einen großen Schritt weitergeholfen. Weiterhin steht Barkhausen Bd. 1-4 noch auf meinem Plan.

Gruß Joe

Datei-Anhänge
Steckbrett.jpg Steckbrett.jpg (148x)

Mime-Type: image/jpeg, 227 kB

07.01.20 11:04
basteljero 

WGF-Premiumnutzer

07.01.20 11:04
basteljero 

WGF-Premiumnutzer

Re: Audionvarianten

Gratulation, das ging ja schnell.
Da hast du den "Barkhausen" sicher schon spätestens am Wochenende durchgerechnet...
Spätestens da bin ich dann aber raus...


Jens

Zuletzt bearbeitet am 07.01.20 11:06

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