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Die Erfindung der Erfindung der Rückkopplung
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02.06.26 14:26
basteljero 

500 und mehr Punkte

02.06.26 14:26
basteljero 

500 und mehr Punkte

Die Erfindung der Erfindung der Rückkopplung

Moin
Wieder mal Recherche-Marathon, eine bisher nicht genutzte Quelle:
Die Gerichtsurteile auf höchster Instanz in den USA.

Das stellt zunächst Fakten und Daten fest, Sachverhalte werden mitunter sehr viel genauer
beschrieben als in den besten Fachbüchern und nebenbei kann man sich das Ganze dann
noch in deutscher Sprache anzeigen lassen.
https://supreme.justia.com/cases/federal/us/293/1/
Das liest sich dann so:

Zitieren:
Zu Beginn gab es vier Anwärter auf die Priorität des Patents. Alle vier hatten unabhängig voneinander dieselbe oder nahezu dieselbe Entdeckung gemacht, und zwar zeitlich nicht weit voneinander entfernt. Der Preis für ein ausschließliches Patent fällt demjenigen zu, der das Glück hatte, der Erste zu sein. ( Du Bois v. Kirk, 158 US 58 , 158 US 66 ; Evans v. Eaton , 3 Wheat. 454). Die anderen gehen trotz all ihrer Mühen und Talente leer aus. Von den vier Anwärtern reichte
Langmuir am 29. Oktober 1913 eine Patentanmeldung ein und beanspruchte den 1. August 1913 als Datum seiner Erfindung.
Armstrong reichte am 29. Oktober 1913 und am 18. Dezember 1913 jeweils eine Patentanmeldung ein und gab als Datum seiner Erfindung den Herbst 1912 oder den Anfang 1913 an.
Bereits am 6. Oktober 1914 erhielt er ein Patent für den Gegenstand seiner ersten Anmeldung (Patent Nr. 1.113.149), jedoch nicht für den Gegenstand seiner zweiten.
Meissner reichte am 16. März 1914 eine Patentanmeldung ein und gab als Datum seiner Erfindung den 9. April 1913 an.
De Forest reichte am 20. März 1914 und am 23. September 1915 jeweils eine weitere Patentanmeldung ein und gab als Datum seiner Erfindung den 6. August 1912 an – das früheste Datum von allen. Sollte sich sein Anspruch als begründet erweisen, wäre er der erste Erfinder.

Juristischer Sieger wurde the father of claims, kein Problem, das zwischen der "Erfindung" und der Patent-Anmeldung
19 Monate und 14 Tage liegen (hat mir die KI ausgerechnet).


Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, die der Fachleute in den USA hält Armstrong für den Erfinder der Rückkopplung.

Zitieren:
Als Reaktion auf die zweite Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die de Forest als Erfinder der Regeneration bestätigte, versuchte Armstrong, seine 1917 verliehene IRE- Ehrenmedaille zurückzugeben, die ihm „in Anerkennung seiner Arbeiten und Veröffentlichungen über die Wirkungsweise des oszillierenden und nicht-oszillierenden Audions“ verliehen worden war. Der Vorstand der Organisation lehnte dies ab und gab eine Erklärung ab, in der er die ursprüngliche Verleihung „nachdrücklich bekräftigte“.

Jo, und jetzt verstehe ich auch, warum Armstrong enttäuscht nach dem Urteil bemerkte, das de Forest nicht
die Rückkopplung, sondern einen heulenden Verstärker erfunden habe.

Und wer hat's den nun wirklich erfunden? Nein, nicht die Schweizer, aber nahe bei:


Eigentlich einfache Sache:
Anmeldedatum und "aus die Maus".
Vielleicht noch Notarielle Beurkundung, wenn so'n armer Student wie Armstrong das Geld für
die Anmeldung nicht aufbringen kann.
(31.01.1913)
h t t p s://findingaids.library.columbia.edu/archives/cul-4078687
h t t p s://en.wikipedia.org/wiki/Edwin_Howard_Armstrong
---
Vor allem, weil es sich bei den Summen, um die es letztendlich gehen kann bei solch wichtigen Patenten
es sich lohnen würde, ganze Bände von Laborbüchern neu zu schreiben.

Gruß
Jens

Zuletzt bearbeitet am 02.06.26 14:42

Datei-Anhänge
Strauß Rückkopplungspatent 1912.jpg Strauß Rückkopplungspatent 1912.jpg (23x)

Mime-Type: image/jpeg, 138 kB

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26.06.26 17:13
basteljero 

500 und mehr Punkte

26.06.26 17:13
basteljero 

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Re: Die Erfindung der Erfindung der Rückkopplung

Moin,

Gerade laufen wieder mal Vorbereitungen für SAQ-Empfang, und da geriet wieder ein Patent
in Erinnerung, welches auch in diesem Zusammenhang erwähnt werden sollte:

DE359839


Das Patent wurde am 8.12.1913 angemeldet, ein ganz anderer Schnack als ein heulender
Verstärker:
Die Kapazität zwischen Anode und und Gitter wird als Ursache der Schwingungserzeugung
genannt.
Es wird auch erwähnt, dass auch auf den Gitterkreis (Empfangskreis)
rückgekoppelt werden kann.

Die Patentanmeldung liegt einige Monate vor der Anmeldung des "Ultra-Audions" von de Forest,
der bestritt, es liege Rückkopplung mittels Elektronenröhre vor.
Die war ja schon vorher in Amerika von Armstrong patentiert worden.

ich kann mir Autoren vorstellen, die würden schreiben:
"Das Patent wurde in Deutschland erst 1920 erteilt, ganze 6 Jahre nach Erfindung
des Ultra-Audions".
Aber welchen Sinn würde sowas machen, wenn die Gründe, die ursächlich dafür wären,
nicht erörtert würden?

Eine Sache fällt bei dem britischen Original-Patent auf:
Die "Ansprüche" (claims) sind späteren Datums (Juli 1914) , der dritte Anspruch bezieht sich auf eine
Zylinderförmige Anode.

Dieses Schaltungsprinzip ist für SAQ deshalb interessant, weil der Überlagerungskreis um die
Hörfrequenz versetzt abgestimmt ist und für ausreichende Selektion ein abstimmbarer
Antennenkreis (Eingangskreis) sinnvoller ist.

Wie das als "Ultra-Audion" bekanntgewordene Rückkopplungs-Prinzip genau funktioniert, hat Wolfgang
hier beschrieben und aufbaumäßig nachvollzogen:
https://www.wumpus-gollum-forum.de/forum...=380&page=1

Bei dieser Schaltung liegt der Schwingkreis aber nicht zwischen Anode und Gitter, es könnte sich
um "Huth-Kühn" Selbsterregung handeln (1917), die bisweilen als unerwünschter Effekt bei HF-Verstärkerstufen
auftritt.

Gruß
Jens

Zuletzt bearbeitet am 27.06.26 15:15

Datei-Anhänge
DE359839_1913-12-8_Überlagerungsempfang Round.jpg DE359839_1913-12-8_Überlagerungsempfang Round.jpg (8x)

Mime-Type: image/jpeg, 210 kB

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