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Wumpus-Gollum-Forum von "Welt der Radios".
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Die Spanngitterröhre PL802
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11.08.18 21:26
HB9 

WGF-Premiumnutzer

11.08.18 21:26
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Die Spanngitterröhre PL802

Hallo zusammen,

was macht man mit einer PL802, die Luft gesogen hat? Zerlegen! Die PL802 ist eine Spanngitter-Endröhre für Breitbandverstärker, der normale Verwendungszweck ist als Video-Endstufe in Farbfernsehgeräten. Die Steilheit ist mit 40mA/V enorm und der maximale Kathodenstrom mit 100mA auch nicht schlecht, und sie verträgt trotz der kleinen Anodenbleche 6W Verlustleistung. Es ist übrigens keine "klassische" Pentode, sondern eine Strahl-Tetrode, statt enem Bremsgitter hat sie Leitbleche, welche die Sekundärelektronen zur Anode zurücklenken, und die Anode ist entsprechend geformt. Schaltungstechnisch ist es aber dasselbe wie eine Pentode.

Hier das Resultat der Zerlegung:

Der Glaskolben (das Glas ist übrigens nur 0.7mm dick), der Getter-Beschlag ist von der gesogenen Luft weiss:



Der Heizfaden, im Gegensatz zu vielen anderen Röhren nicht verdrillt und wegen der Serieheizung recht dick isoliert, die Isolation verträgt immerhin 200V.



Hier die noch zusammengesetzte Röhre ohne Kolben, man sieht schön das Schirmgitter, das "Bremsgitter" (die mit dem etwa in der Mitte befindlichen Steg verbundenen Bleche) sowie die beiden Anodenbleche (oben und unten ganz aussen). Links ist auch die Kühlfahne für das Steuergitter und der Getter (runde Scheibe) zu sehen.



Die versammelten Elektroden (von links nach rechts): Kathode, Steuergitter (Spanngitter), Schirmgitter, Leitblech (Bremsgitter) und Anode:



Die Anode (aufgebogen), der Elektronenbeschuss hat Spuren hinterlassen:



Das Spanngitter, es ist so fein, dass die Kamera am Anschlag war. Von Auge sieht man nur Moiré-Muster, wenn man es bewegt, die Drähte sind unsichtbar.



Hier sieht man an den beiden Enden die Distanzhalter, das Gitter kann man vergrössert knapp erkennen.



Hier noch das Spanngitter und die Leitbleche (Bremsgitter) von oben:



Ein richtiges Meisterwerk, alle Achtung, vor allem wenn man bedenkt, dass diese Röhre für ein (zwar teures) Massenprodukt hergestellt wurde. Auch andere Spanngitterröhren (EF183, EF184, PCC88, PCC189) wurden bekanntlich in der Unterhaltungselektronik eingesetzt.

Gruss HB9

Datei-Anhänge
Einzelteile.jpg Einzelteile.jpg (5x)

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Elektroden.jpg Elektroden.jpg (4x)

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Faden.jpg Faden.jpg (4x)

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Gitter.jpg Gitter.jpg (4x)

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Gitter2.jpg Gitter2.jpg (5x)

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Kolben.jpg Kolben.jpg (4x)

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oben.jpg oben.jpg (4x)

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Anode.jpg Anode.jpg (4x)

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12.08.18 11:28
Antennow 

WGF-Nutzer Stufe 2

12.08.18 11:28
Antennow 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: Die Spanngitterröhre PL802

Hello HB9,

die Spanngitterröhren gehören nach meiner Meinung zum Endstand der Röhrenentwicklung und waren durchaus Wunderwerke.
Mir hat in den 60er Jahren ein Mitarbeiter des Funkwerkes Erfurt erzählt, wie die Spanngitter für die Röhren EF183 und EF184 hergestellt wurden.

Die Gitter bestanden aus haardünnem Wolframdraht. Die sehr stabilen Gitterstege hatten Kerben im Abstand der Gitterdrähte, in welche der Gitterdraht unter dem Arbeitsmikroskop Windung für Windung handgesteuert hineingewickelt wurde (Bioroboter würde man heute sagen).
Durch die Zugkraft fand eine Kaltverschweißung statt.

Es gab nur wenige Arbeitsplätze dafür, fast nur mit jungen Frauen besetzt. Die nervzehrende Tätigkeit war nur wenige Stunden durchzuhalten und man mußte gut drauf sein, um überhaupt arbeiten zu können.
Folge und auch sensationell für damals: Die Frauen konnten sich ihre Arbeitszeit total frei einteilen. Bezahlt wurde nach Stücklohn.
Diese Frauen haben bis zu 3500 Mark pro Monat verdient und waren damit in der Gehaltsgruppe des Werksdirektors!

Das konnten allerdings nur wenige.......

Gruß ans Forum,

Antennow

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