gestoßen, das zeigt, wie weit man heute bereits mit KI bei der Entwicklung einer elektronischen Schaltung kommen kann. Das Video stammt nicht von mir, sondern zeigt die Entwicklung eines Step-Down-Reglers mit KI-Unterstützung. Ich fand den Versuch so interessant und aufschlussreich, dass ich ihn in einem Artikel etwas genauer unter die Lupe genommen und die einzelnen Schritte kommentiert habe.
Der Artikel beschreibt anhand dieses Videos den gesamten Weg von der Auswahl und Berechnung der Bauteile über die Simulation bis hin zur Entwicklung der Leiterplatte:
Vieles davon lässt sich inzwischen zumindest teilweise auch mit kostenlosen Sprachmodellen ausprobieren. Allerdings eher bei einzelnen Teilaufgaben und noch nicht als durchgängiger Entwicklungsprozess.
Nach meiner persönlichen Erfahrung sind Sprachmodelle heute beispielsweise sehr hilfreich, wenn es darum geht, zunächst eine Idee zu diskutieren und verschiedene Lösungswege zu überlegen. Auch bei der Auswahl geeigneter Bauteile, bei einfachen Berechnungen oder bei der Frage, welche Software und Werkzeuge für eine bestimmte Aufgabe geeignet sind, können sie viel Arbeit abnehmen. Ebenso kann man sich kleinere Berechnungsprogramme oder andere Hilfsprogramme programmieren lassen, ohne selbst jedes Detail des Codes schreiben zu müssen.
Deutlich schwieriger wird es bei vorhandenen Schaltbildern. Man kann Schaltpläne zwar als Bild hochladen und von der KI analysieren lassen, aber hier passieren immer noch erstaunlich viele Fehler. Besonders deutlich wird das, wenn die KI aus einem Foto oder Scan eines Schaltplans eine Netzliste erzeugen soll. Dabei werden Verbindungen und Bauteile teilweise falsch erkannt. Für eine ernsthafte Schaltungsentwicklung muss man solche Ergebnisse deshalb unbedingt kontrollieren.
Interessant ist allerdings, wie schnell sich das entwickelt. Die Fähigkeiten der Modelle verbessern sich derzeit von Monat zu Monat.
Eine besondere Stärke sehe ich momentan beim Programmieren. Gerade bei Mikrocontrollern kann die KI viel Arbeit übernehmen, beispielsweise beim Erstellen, Erklären und Ändern von Code. Ähnliches gilt für Software zur digitalen Signalverarbeitung. Wer beispielsweise mit Soundkarten, Audio-DSP oder eigenen Mess- und Auswerteprogrammen experimentiert, kann sich von der KI bereits erstaunlich weit unterstützen lassen.
Für mich ist KI deshalb weniger ein Ersatz für das eigene Fachwissen als ein ziemlich leistungsfähiges Werkzeug, das viele der lästigen und zeitaufwendigen Arbeiten beim Basteln und Entwickeln übernehmen kann. Die entscheidende Frage ist eigentlich nur noch, welche Aufgaben man der KI bereits zuverlässig überlassen kann und wo man die Ergebnisse weiterhin selbst überprüfen muss.
Mich würde interessieren, welche Erfahrungen ihr inzwischen mit KI beim Elektronik- und Radiobasteln gemacht habt. Nutzt ihr ChatGPT, Claude, Gemini oder andere KI-Modelle bereits für eure Projekte? Wofür funktioniert es bei euch gut, und wo produziert die KI noch mehr Fehler als Nutzen?
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Re: Was geht heute schon mit Künstlicher Intelligenz für den Hobbyelektroniker und Radiobastler?
Hallo Volker und Kollegen,
danke für den Anreiz zu Erfahrungsberichten!
Volker:Nach meiner persönlichen Erfahrung sind Sprachmodelle heute beispielsweise sehr hilfreich, wenn es darum geht, zunächst eine Idee zu diskutieren und verschiedene Lösungswege zu überlegen.
Genau so habe ich bisher ChatGPT (6€-Abo) und Gemini benutzt - nicht zur Entwicklung von Schaltungen oder Software, sondern als Diskussionspartner, aktuell für die Entwicklung von Ferrit-Antennen zum Senden im Kurzwellenbereich. Dabei geht es um physikalische, magnetische, HF-technische und konstruktive Fragen - ein ziemlich weites Feld. Der Prozess läuft noch, konvergiert aber deutlich zu einer optimalen Version.
Wichtig ist dabei immer wieder eigener Input als "Futter" für die weitere Entwicklung, der dann von der KI detailliert bestätigt, durchaus kritisch diskutiert und dann den weiteren Überlegungen zu Grunde gelegt wird. Die Analyse wird dabei mit vielen mathematischen Formeln unterstützt, die man aber nicht ungeprüft hinnehmen sollte. Gelegentlich gibt es falsche Bezüge oder konstruktive Anordnungen werden von der KI falsch interpretiert; das lässt sich aber immer korrigieren. Trotz der eigenen Beiträge habe ich nicht den Eindruck, dass dadurch eine Blase erzeugt wird, in der sich dann alles im Bereich der Selbstbestätigung dreht. Kritisch hinterfragen muss man aber alle Zitate von Patentschriften; gefühlt 80% davon treffen das Thema nicht. Auf entsprechende Hinweise entschuldigt sich die KI dann stets demütig.
Sehr befriedigend laufen Fragen zu soziologischen und politischen Themen. ChatGPT antwortet dazu sehr detailliert, gut gegliedert und frei von ideologischen Vorurteilen - gemäß der Forumsregeln möchte ich hier aber nicht weiter ins Detail gehen ; einfach mal selbst probieren!
Für die Verifizierung und Weiterarbeit bei der Ferrit-Sendeantenne warte ich noch auf eine größere Lieferung von Ferritstäben aus China und werde hier zu gegebener Zeit berichten.
Re: Was geht heute schon mit Künstlicher Intelligenz für den Hobbyelektroniker und Radiobastler?
Volker: Mich würde interessieren, welche Erfahrungen ihr inzwischen mit KI beim Elektronik- und Radiobasteln gemacht habt. Nutzt ihr ChatGPT, Claude, Gemini oder andere KI-Modelle bereits für eure Projekte? Wofür funktioniert es bei euch gut, und wo produziert die KI noch mehr Fehler als Nutzen?
Hallo Volker,
ich habe die Erfahrung gemacht, das man die Modelle kontinuierlich beobachten muss in welche Richtung sie sich entwickeln. Beispielsweise konnte Gemini Anfang des Jahres noch sehr viele Aufgaben die ich gestellt habe, fast fehlerfrei oder fehlerfrei umsetzen, es waren nur wenige nachträgliche Korrekturen am Prompt nötig. Seit dem Sommer ist das Geschichte, Gemini wurde mit der Zeit spürbar schlechter und ist jetzt in einen Bereich gerutscht wo sie für meine Aufgaben unbrauchbar ist!
Ich habe Gemini nach den Gründen gefragt und auch im Netz gesucht nach Erklärungen. Als Antwort wurde geliefert das man das Modell stark einschränken und umstellen musste. Gemini läuft bei der Googlesuche immer mit und bei den weltweiten Suchanfragen wird das dem Konzern zu teuer. Standardmäßig denkt Gemini jetzt nicht mehr über die Antwort nach, sondern kopiert wie die Suchmaschine feste Sachen aus dem Internet in die Antwort. Sie prüft nicht nach. Gemini hat selbst mitgeteilt wie ich die KI aus diesem Modus raus bekomme, das hat stellenweise funktioniert, die anfängliche Qualität wird aber nicht mehr erreicht. Für meine Aufgaben im Moment unbrauchbar, zudem leidet sie in jeder Session an Demenz.
Chat-GPT sucht länger, aber auch nicht so fehlerfrei. Es wiederholt auch viele Sachen aus dem Sessionkontext der bereits erklärt wurde. Das bläht die Session auf, bremst Chat-GPT selbst aus, die Denkzeiten werden kürzer, die Antworten werden dann zunehmend schlechter und ungenauer, aber immer noch über dem Niveau von Gemini. Eine Verschlechterung des Antwortverhaltens habe ich nicht beobachten können, aber auch keinen Fortschritt des Modells.
Anthropic / Claude: Eine ganz andere Geschichte. Spürbar monatlich eine Leistungserhöhung. Sehr gutes arbeiten und bei meinen Sachen fehlerfrei durchgeführt. Welche Aufgaben habe ich Claude gestellt. Ich habe ihr ein FPGA-Modell vorgegeben und einen ADC / Frontend. Habe gesagt das ich einen kompletten SDR Empfänger in Verilog haben möchte. Sie hat die komplette Signalverarbeitung durchgeschrieben, ungefragt eigene Testfälle um das Design zu prüfen. Der Empfänger läuft !
So ermutigt wollte ich sehen ob Claude noch komplexere Sachen in der Signalverabreitung kann. Ich habe einen Mitschnitt eines DAB+ Signals hochgeladen und wollte von Claude ein / Cpp Programm haben, das die Radiostationen aus dem DAB Ensemble hörbar macht. Claude hat automatisch das DAB+ sichtbar in den Workspace zerlegt und analysiert, sich die öffentlichen Normen runtergeladen, sich selbst einen Prototypen in Python geschrieben, auf dem eigenen Arbeitsbereich im Rechenzentrum simuliert, ohne mein Zutun Verbesserungen an der Signalerkennung vorgenommen und dann den Prototypen in ein C/Cpp Programm portiert. Danach alles in eine Zip mit Anleitung gepackt, einen eigenen Testgenerator zur Erzeungung von synthetischen DAB+ Signalen mitgeliefert. 30-40 Minuten hat Claude gerechnet bis zum Zip.
Ergebnis: In der Funktion auf dem PC absolut fehlerfrei. Im ersten Versuch. Ich kann jedes aufgenommene DAB+ I/Q Signal in das Programm geben, hinten kommen die Radiostationen als WAV raus.
Ich habe Claude verschiedene Mitschnitte von Datensignalen zur Analyse übergeben. Die KI konnte jedes Signal analysieren und dekodieren! SIGINT kann Claude!
Für meine Aufgabenstellungen liegt Antrophic/Claude weit, sehr weit vor allen anderen KIs. Ich glaube Google hat mit Gemini bereits aufgegeben. Schwer vorstellbar das sich daraus eine Super-KI entwickeln kann. Bei Antrophic bin ich mir fast sicher das das in den nächsten Monaten der Fall sein wird. Vielleicht haben die ein solches Modell schon im Entwicklungslabor laufen, lassen es aber nicht auf die Öffentlichkeit los.
Re: Was geht heute schon mit Künstlicher Intelligenz für den Hobbyelektroniker und Radiobastler?
So, wie in dem Video gezeigt, entstehen vielleicht die Buck-Converter für 1€ bei den Chinesen. Ein erfahrener Entwickler braucht auch ohne KI weniger als 23 Stunden für so einen einfaches Projekt und ohne Erfahrung hätte man auch weder einen von der KI vorgeschlagenen IC auswählen können, noch die anderen KI Vorschläge überprüfen und berichtigen können.
Ein professionell entwickelter 12V/5V Buck-Converter, insbesondere für den Einsatz im 12V Boardnetz eines Automobiles, erfordert der sehr viel mehr wie z.B. EMV und ESD gerechtes Design usw.
Also alles nur ein nettes Video für KI Enthusiasten.
Re: Was geht heute schon mit Künstlicher Intelligenz für den Hobbyelektroniker und Radiobastler?
Hallo zusammen,
vielen Dank für Eure Antworten. Man lernt immer was dazu, wie man KI für unser Hobby nutzen kann. Und daran sehe ich erst die bescheidenen Anfänge einer spannenden Entwicklung. Wenn ich daran denke, was für einen teils amüsanten "Mist" die großen Sprachmodelle noch vor ein paar Jahren abgeliefert haben. Kein Vergleich zu heute.
Hallo Kalle,
bei dem konkreten Buck-Converter gebe ich dir durchaus recht. Das ist noch keine professionelle Entwicklung eines Automotive-Wandlers, und ohne eigenes Fachwissen kann man die Ergebnisse einer KI heute nicht einfach ungeprüft übernehmen.
Genau deshalb sehe ich das Video aber eher als Blick auf den Anfang einer Entwicklung und nicht als fertige Lösung. Interessant finde ich, dass inzwischen auch die großen EDA-Hersteller wie Cadence, Siemens und Synopsys intensiv an KI-Agenten arbeiten, die künftig nicht nur Text produzieren, sondern tatsächlich EDA-Software bedienen, Simulationen durchführen, Ergebnisse auswerten und Entwicklungsiterationen selbstständig durchführen sollen.
Und die Beiträge hier im Thread zeigen ja schon, dass wir bei einzelnen Aufgaben deutlich weiter sind. Vom technischen Diskussionspartner über Berechnungen bis hin zur Programmierung von FPGAs und kompletter Signalverarbeitung.
Ich glaube deshalb, dass die spannende Frage nicht ist, ob die KI heute schon einen professionellen Automotive-Buck-Converter vollständig entwickeln kann. Das kann sie offensichtlich noch nicht. Interessanter ist, wie schnell sich die Grenze dessen verschiebt, was man ihr überlassen kann.
Und genau das wollte ich mit dem Artikel eigentlich zeigen.
Viele Grüße Volker
PS: Bis die KI auf Zuruf komplette Elektronikprojekte in Windeseile entwickelt, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Deshalb habe ich mich inzwischen selbst etwas in das kostenlose KiCad eingearbeitet. Herausgekommen ist immerhin meine erste brauchbare Leiterplatte für ein Hobbyprojekt, die sich sogar mit der Toner-Transfer-Methode herstellen lässt. Die erste Version war allerdings durch meinen eigenen Fehler spiegelverkehrt. Die KI wusste es hinterher besser – bei der Bedienung von Programmoberflächen ist sie dagegen nicht immer besonders hilfreich. So lernt man eben auf die harte Tour. Und genau das hat mir viel Freude gemacht. Unser Hobby wird durch KI also so schnell nicht aussterben. Vielleicht bekommt es durch KI sogar neuen Schwung, wenn langweilige Routinearbeiten zunehmend von der KI übernommen werden.