Hallo zusammen, zufällig habe ich vom Schicksal einer Familie gelesen, die "feindliche Hetzsender" gehört hatte, worüber im Dorf gesprochen wurde:
Aus dem Urteil im Namen des Deutschen Volkes: "Anfang März 1944 hatte der Angeklagte Detlev Mertens ein größeres Rundfunkgerät, das einem Gastwirt in Heide gehörte, mit nach Hause gebracht, um es zu reparieren. Am Abend des 22. und 23. März 1944 hörten die drei Angeklagten..."
(Obwohl der Sender nicht näher bezeichnet wird, ist von BBC auszugehen. Die Aufforderung an deutsche Soldaten, beim Einmarsch der russischen Soldaten in Ungarn die Öl-Werke zu zerstören, zeigt die Einstellung der Alliierten untereinander und nimmt den späteren kalten Krieg vorweg.)
Als Richter fungierten ein Volksgerichtsrat, ein Landgerichtsdirektor, ein Generalmajor der Waffen-SS, ein SA-Obergruppenführer und ein Kreisleiter sowie ein Landsgerichtsrat. Das härteste Urteil erhielt die Tochter, selbst Mutter von drei Kindern, weil sie vom baldigen Ende der Regierung sprach und das Gehörte einer von ihr betreuten sterbenden Kranken im Dorf erzählt hatte.
Das ganze Urteil mit den erschreckenden Details bis zum Hinrichtungsprotokoll der Mutter ist hier nachzulesen:
Auch wenn man vieles aus der Kriegsgeschichte weiß, ist die kaltherzige Grausamkeit des Beamtenapparats, der sich auf Recht und Gesetz berufen durfte, immer wieder erschreckend. Soweit ich weiß ist keiner der damaligen Richter später verurteilt worden.
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Re: Zivile "Wehrkraftzersetzung" nach Radioreparatur
Hallo Jan,
danke für den post - erschütternd, und Frieda Melzen war nur eine von endlos vielen! Auch manche Funkamateure traf es - wegen "Schwarzsendens" außerhalb der wenigen Kriegslizenzen.
Die Lehre daraus, wieder hoch aktuell: Wehret den Anfängen! (Sind es nur Anfänge?)
Re: Zivile "Wehrkraftzersetzung" nach Radioreparatur
Funkamateure wurden auch in der DDR drangsaliert, als 1968 bei uns von der Post die Sender(räume) versiegelt wurden, damit man sich bei der Niederschlagung des "Prager Frühlings" nicht einmischen kann.