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Wumpus-Gollum-Forum von "Welt der Radios".
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KW-Audion in der Technik von 1926
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12.04.23 09:30
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

12.04.23 09:30
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

KW-Audion in der Technik von 1926

Hallo zusammen,

eigentlich wollte ich in einem kleinen Testaufbau lediglich die KW-
Tauglichkeit der Röhre A435 nachvollziehen. In meinem Versuchsaufbau
enttäuschte diese Röhre auf den kurzen Wellen. Auf Mittelwelle
spielte sie bei 50 Volt Anodenspannung sehr gut. Tatsächlich listet
RM.org nicht einen einzigen KW-Empfänger mit dieser Röhre. Es finden
sich nur 10 Radios auf MW und LW in der Zeit zwischen 1927 und 1930.

Die erste Schwierigkeit lag in der Auswahl einer repräsentativen
KW-Audionschaltung für die Zeit Mitte der 1920-er Jahre. Kein Problem
höre ich es förmlich von WGFlern. Aber es ist durchaus ein Problem.
Deutsche Bastlerzeitungen hielt ich für wenig geeignet. Wieder einmal
ging der Blick über den grossen Teich, wo man seinerzeit den
Europäern einige Jahre voraus war, was neben politischen Gründen
auch handfeste technische Gründe hatte. Die Oxydbeschichtung der
dunkelglühenden Trioden war ausgereift und die Anoden-Gitter-Kapazität
niedrig. Es war schliesslich die Zeit der Neutrodyn-Empfänger gewesen.
Während sich mein ältestes Gerät Chelsea No. 101 von Chelsea von 1920
nur bis 2240 kHz abstimmen lässt, sollte sich der Test nunmehr bis
mindestens 10 MHz erstrecken.

Der kommerzielle Empfänger Grebe CR-18 erfüllte bereits 1926 diese
Forderung und wurde sogar bis zu einer Wellenlänge von 10m beworben.

https://www.radiomuseum.org/r/grebe_short_wave_cr18_1.html

Da es 1924 ein Sonnenfleckenminimum gab, und das nachfolgende
Maximum eher bescheiden ausfiel, wird man den CR-18 kaum oberhalb
von 20 MHz betrieben haben, von der Verfügbarkeit entsprechender
Sender ganz abgesehen. In den letzten Jahrzehnten blieben mir
eigentlich nur zwei lautstärke Rundfunksender aus grosser Entfernung
in Erinnerung:

Meyerton, Südafrika auf 11m und
Carnarvon, Westaustralien auf 13m

Zum Betrieb des CR-18 waren 4 Spulensätze notwendig, die immer
getauscht werden mussten. Er enthielt zwei UX201A. Selbst 12 Jahre
später wurde die Schaltung nahezu unverändert noch verwendet, wie ein
Blick in die Monatszeitschrift "Popular Science" auf Seite 108 verriet.
("Span the world with this globe receiver by Frank Tobin")
Hier kamen zwei Trioden des Typs 30 zum Einsatz. Die Anodenspannungen
wurden allerdings halbiert und der 25 kOhm-Widerstand zum Übertrager
durch eine Kreuzwickeldrossel in Mehrkammertechnik ersetzt. Da fällt
mir ein, dass ein WGFler so etwas nachbauen wollte.



Die Schaltung ist freilich nicht alles. Die Funktion hängt wesentlich
von der Aufbauweise ab. Kurze Leitungsführungen sind absolut notwendig.
Völlige Schirmung war damals noch nicht üblich, wohl aber Frontbleche
zur Vermeidung des Einflusses von Handkapazitäten. Im Gegensatz
zu dem Hemme-Audion

https://www.wumpus-gollum-forum.de/forum...&thread=132

hat mein Aufbau noch Luft nach oben. Aber das Ziel wurde dennoch
erreicht. So gelang der Empfang von MVU RAF Volmet (St. Eval, 10 kW)
auf 11253 kHz gegen 16:40 MESZ. Zu diesem Zeitpunkt lag die
Senkrechtlotung bei 9,4 MHz, HB9AK auf 7 MHz nicht erreichbar und
deutsche Spielzeugsender auf 49m dümpelten unter S9 (QRM/QRN S5).



Tagsüber sucht man Rundfunk in ausreichender Feldstärke meistens
vergeblich, aber abends kommen bestimmt zwei Dutzend brüllend
laute Sender rein.

Ich denke, es war mein letztes Audion. Die Zeit ist nunmehr vorbei.
Vielleicht ersetze ich in diesem Aufbau noch ein paar Bauteile mit
alten Bauteilen.

Morgen werde ich die Abschaltung von RTE für Cohiradia festhalten:

https://www.radiomuseum.org/dsp_cohiradia_detail.cfm?id=44


Gruss
Walter

Zuletzt bearbeitet am 17.04.23 08:07

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Grebe_CR-18.jpg Grebe_CR-18.jpg (54x)

Mime-Type: image/jpeg, 142 kB

KW-Audion.jpg KW-Audion.jpg (52x)

Mime-Type: image/jpeg, 206 kB

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12.04.23 11:40
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

12.04.23 11:40
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

Re: KW-Audion in der Technik von 1926

Zitieren:
eigentlich wollte ich in einem kleinen Testaufbau lediglich die KW-
Tauglichkeit der Röhre A435 nachvollziehen. In meinem Versuchsaufbau
enttäuschte diese Röhre auf den kurzen Wellen. Auf Mittelwelle
spielte sie bei 50 Volt Anodenspannung sehr gut. Tatsächlich listet
RM.org nicht einen einzigen KW-Empfänger mit dieser Röhre. Es finden
sich nur 10 Radios auf MW und LW in der Zeit zwischen 1927 und 1930.



Hallo Walter

Diese Röhrenbauart ist gekennzeichnet durch

-zu dünne und zu lange Drähte bis zu den eigentlichen Elektroden.
Ungünstig für die KW. Aber in jener Zeit hatte man keine Wahl.

Wohl habe ich mal in der damaligen Zeitschrift "Bastelbriefe der Drahtlosen" (ab 1925) gelesen, dass man eine Verbesserung erreichen kann, wenn die Röhre -ohne Sockel- direkt in die Schaltung eingelötet wird.

Gruß aus NL, Wolfgang

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KW-Audion.jpg KW-Audion.jpg (47x)

Mime-Type: image/jpeg, 348 kB

12.04.23 12:42
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

12.04.23 12:42
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

Re: KW-Audion in der Technik von 1926

Hallo Wolfgang,

völlig klar! Gerne hätte ich diese UV201A genommen, die nach Regenerierung wieder volle
Emission erlangte, aber leider einen Gitter-Heizfadenschluss aufwies:



Wie man sieht, ist der Aufbau trotz Quetschfuss günstiger. Softtubes wollte ich nicht nehmen.
Von den vorhandenen lief die Tungsram noch am besten.

Gruss
Walter

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UV201A.jpg UV201A.jpg (48x)

Mime-Type: image/jpeg, 285 kB

13.04.23 08:44
HB9 

WGF-Premiumnutzer

13.04.23 08:44
HB9 

WGF-Premiumnutzer

. Re: KW-Audion in der Technik von 1926.

WoHo:



Hallo Walter

Diese Röhrenbauart ist gekennzeichnet durch

-zu dünne und zu lange Drähte bis zu den eigentlichen Elektroden.
Ungünstig für die KW. Aber in jener Zeit hatte man keine Wahl.

Wohl habe ich mal in der damaligen Zeitschrift "Bastelbriefe der Drahtlosen" (ab 1925) gelesen, dass man eine Verbesserung erreichen kann, wenn die Röhre -ohne Sockel- direkt in die Schaltung eingelötet wird.

Gruß aus NL, Wolfgang

Hallo zusammen,

trotz der sehr langen Anschlussdrähte der alten Röhren können Schaltungen für erstaunlich hohe Frequenzen gebaut werden. In meinem 'His Master's Voice' von 1937 arbeiten die Röhren KTZ63 (Oszillator), KTW63 (HF-Vorstufe) sowie eine Heptode als Mischer. Diese Röhren haben zwar bereits die 'modernen' Oktal-Sockel, aber immer noch sehr lange Leitungen, wobei die Steuergitter oben herausgeführt sind, damit die Kopplung zur Anode möglichst klein bleibt. Der Empfänger schafft damit immerhin 61MHz.

Hier sieht man noch den Grössenvergleich am Beispiel der Doppeldiode KTD63 (gleicher Aufbau wie die KTZ63 usw.) und EAA91:



Gruss HB9

..

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Dioden.JPG Dioden.JPG (49x)

Mime-Type: image/jpeg, 133 kB

13.04.23 11:40
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

13.04.23 11:40
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

Re: KW-Audion in der Technik von 1926

Hallo Röhrenfreunde

HB9 führt jetzt Röhrentypen an, wo der Fortschritt in der Entwicklung Richtung HF-Tauglichkeit deutlich wird:

--- 10 Jahre später auf den Markt gekommen gegenüber der G407.
--- Gitteranschluss kurz oberhalb herausgeführt.
--- Tetroden bzw. Pentoden! Daher nur eine kleine schädliche Anoden-Gitterkapazität.

Gruß aus NL, Wolfgang

13.04.23 13:01
HB9 

WGF-Premiumnutzer

13.04.23 13:01
HB9 

WGF-Premiumnutzer

Re: KW-Audion in der Technik von 1926

Hallo zusammen,

klar sind diese Röhren technisch weiter entwickelt als die von 1926, aber ein Grundproblem, nämlich die langen, parallel geführten Anschlussdrähte vom Sockel zu den Elektroden (mit Ausnahme des Steuergitters, das oben weggeht) ist bei diesen Röhren noch genau gleich vorhanden.
Der obenliegende Gitteranschluss ist zudem auch alles andere als ideal, denn der Bezugspunkt zum Gitter ist ja bekanntlich die Kathode, und die ist nach unten herausgeführt. So ist die totale Leitungslänge des Steuerpfades (Röhrenlänge vom Sockel zum obenliegenden Gitteranschluss, von dort seitlich neben die Röhre, wieder eine Röhrenlänge zurück nach unten und seitlich zur Kathode zurück) und die damit aufgespannte Fläche sehr gross, was eine entsprechend hohe Induktivität im Steuerkreis ergibt.

Eine wirkliche Verbesserung bezüglich HF-Tauglichkeit waren die Rimlock- und Loktalröhren, die beide in den 40er-Jahren eingeführt wurden. Für Spezialzwecke gab es schon vorher die 'Eichelröhren' (Acorn-tubes), ebenfalls Nur-Glas-Röhren, aber mit seitlich herausgeführten Anschluss-Stiften, die schwierig herzustellen und damit teuer waren.

Gruss HB9

17.04.23 17:34
joeberesf 

WGF-Premiumnutzer

17.04.23 17:34
joeberesf 

WGF-Premiumnutzer

Re: KW-Audion in der Technik von 1926

Hallo Walter,

WalterBar:

Ich denke, es war mein letztes Audion. Die Zeit ist nunmehr vorbei.


die Faszination eines Audions lag für mich immer in der Einfachheit der Schaltung. Leider ist der analoge AM- Rundfunk am Tage eigentlich nicht mehr sehr attraktiv für Bastler. Doch es gibt noch eine Möglichkeit auch am Tage analogen Rundfunk mit einfachen Schaltungen und viel Einstellerei zu erleben.... zu mindestens noch eine Zeit lang... Mit Pendelempfängern oder hoch verstärkten Einkreisern auf FM- Wellenempfang gehen und das Optimum herauskitzeln. Allerdings spielt auch hier die Standortfrage eine Rolle, denn die Reichweiten sind auf UKW halt sehr begrenzt. Hier in Berlin funktioniert das noch ganz gut.

LG
Jörg

18.04.23 08:21
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

18.04.23 08:21
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

Re: KW-Audion in der Technik von 1926

Hallo Jörg,

ich habe schon mehrfach meine Vorsätze gebrochen, also warten wir die nächste Saison zur
Winterzeitumstellung ab. So habe ich beispielsweise auch eine 6AX5 gefunden - WoHos
Versuch reizt mich. Aber es gibt auch andere Aspekte wie die Photovoltaik mit den störenden
Wechselrichtern. Auch könnte ein Lokalsender auf den Ex-WDR-Frequenzen die Situation
ändern. UKW-Audionempfang kommt an meinem Standort nicht in Betracht.

Gruss
Walter

18.04.23 12:39
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

18.04.23 12:39
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

Re: KW-Audion in der Technik von 1926

Hallo zusammen.

@ Walter
Du erwägst einen Versuch mit der 6AX5 GT.
Die Idee stammt aus den USA. Nicht jede Ausführung dieser Gleichrichterröhre eignet sich dazu. Hiermit sollte es klappen:



Dann habe ich noch nach anderen Röhrentypen gesucht, wo zwei gleichwertige Elektroden um den Heizfaden angeordnet sind.
Gefunden wurde die russische Subminiaturröhre 1SH37b (1j37b):



Gruß aus NL, Wolfgang

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6ax5_foto.jpg 6ax5_foto.jpg (51x)

Mime-Type: image/jpeg, 55 kB

1SH37b-Experiment2.JPG 1SH37b-Experiment2.JPG (53x)

Mime-Type: image/jpeg, 73 kB

18.04.23 13:05
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

18.04.23 13:05
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

Re: KW-Audion in der Technik von 1926

Hallo Wolfgang,

danke für die Info. Meine Haltron 6AX5 (ohne GT) sieht exakt so aus.

Gruss
Walter

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