seit längerem (eigentlich schon seit Jahren)befinden sich in meiner Bastelkiste einige UKW-Tuner und entsprechendes Zubehör. Da immer mal wieder über die Abschaltung des analogen, öffentlichen UKW-Rundfunks geredet wird habe ich mich, nach einigem Ringen mit mir, entschlossen, mit diesen Tunern komplette Empfänger aufzubauen ehe mit dem analogen UKW-Rundfunk Schluss ist.
Meine Tunersammlung enthält die folgenden Mischteile:
Valvo-Tuner(FD11) und Restek-Tuner(FD12A/1) sind in der HF-, Misch- und Oszillatorsektion identisch augebaut. Der FD11 stellt die geteilte Oszillatorspannung (f_osz/4) mit ECL-Pegel zur Verfügung, dagegen ist beim FD12A nur das gepufferte Oszillatorsignal nach aussen geführt. Beim REMA-Tuner,der sich im inneren Aufbau von den beiden vorgenannten Tunern völlig unterscheidet, ist keine Auskopplung des Oszillatorsignals vorgesehen. Allerdings war der Lieferung dieses Tuners ein "Aufrüst-Kit" und eine entsprechende Anleitung beigelegt, sodass der Oszillator von aussen zugänglich gemacht werden kann.
Wegen der drei verschiedenen Mischteile plane ich, drei unterschiedlich ausgestattete Empfänger aufzubauen.
Die erste Version, die ich hier vorstelle, ist ein Einfachstempfänger ohne Schnick-Schnack: Manuelle Abstimmung, vier festeinstellbaren Sender, AFC, digitale Frequenzanzeige. Als Tuner kommt der FD11 zum Einsatz.
Blockschaltbild
Vom Tuner gelangt die ZF über den mit LC-Filtern bestückten ZF-Verstärker zum Begrenzerverstärker/Demodulator mit dem TDA1576. Die Filter, sog. Linearphasenfilter der Firma Toko, Taiwan, haben gleich zu Beginn für Überraschung gesorgt: Weder stimmte die Mittenfrequenz(10,7MHz) noch die 3dB-Bandbreite(240kHz bei korrektem Abschluß). Durch langwieriges Probieren konnte die Filterkurve den Datenblattangaben einigermaßen angenähert werden. Der TDA1576 liefert nicht nur das NF-Signal(tatsächlich zwei gegenphasige Spannungen) sondern auch eine der Feldstärke proportionale Spannung und eine Spannung, die bei optimaler Abstimmung auf den Sender ihren höchsten Wert erreicht(Mittenspannung). Mit Hilfe dieser Signale wird das Übertragungsverhalten des Stereodekoders, ein TDA1578, beeinflußt: Wenn man über einen empfangswürdigen Sender "dreht" wird zunächst die NF langsam freigegeben, dann erfolgt ein gleitender Übergang vom Mono- zum Stereoempfang, dh die Kanaltrennung zwischen links und rechts wird bei optimaler Abstimmung maximal. Beim Verlassen des Senders läuft dieser Vorgang in umgegekehrter Richtung ab. In den Datenblättern der beiden ICs sind zwei Vorschläge zur Gestaltung des (passiven) Verbindungsnetzwerks, mit dem das oben beschriebene Verhalten erzielt werden soll, beschrieben. Weder mit der einen noch der anderen Variante konnte ich befriedigende Ergebnisse erzielen, sodass ich letztendlich auf eine (aktive)Eigenkonstruktion ausgewichen bin (daher die Lochrasterplatte auf der Radioplatine). Nach dem Stereodekoder durchlaufen die Signale ein sogenanntes MPX-Filter, ein passiver Tiefpass mit einer Grenzfrequenz 15kHz, und sind gepuffert von aussen zugänglich.
Die Abstimmspannung stabilisiert ein TCA530, ein kurioses IC, das mit einer Heizung ausgestattet ist und im Betrieb außerordentlich warm wird. Es verknüpft die Abstimmspannung mit der AFC-Spannung des TDA1576. Die AFC-Funktion macht sich beim (manuellen)Abstimmen des Radios störend bemerkbar,denn sie verhindert eine kontinuierliche Senderwahl. Daher wird die AFC für kurze Zeit abgeschaltet sobald entweder eine Stationstaste oder die manuelle Abstimmung betätigt wird.
Wie oben geschrieben kann man dem FD11 die heruntergeteilte Oszillatorfrequenz(f_osz/4) entnehmen. Unter Berücksichtigung der ZF-Versatzes wird aktuelle Empfangsfrequenz mit einem Frequenzzähler, der konventionell aufgebaut ist, zur Anzeige gebracht.
Das Radio empfängt den Bereich zwischen 87MHz und 110MHz und scheint ziemlich empfindlich zu sein, denn mit ungerichteter Antenne ist zB ein amerikanischer Armeesender(105,1MHz, 2kW, 49km Luftlinie, hügeliges Gelände)häufig, wohl von den Wetterbedingungen abhängig, in mäßiger Qualität zu hören, was mir mit meinen anderen Radios unter vergleichbaren Umständen nicht gelingt. Wie schon oben geschrieben ist das Radio nur mit dem allernötigsten Bedienkomfort ausgestattet. Es fehlen die Möglichkeit zB Mono zu erzwingen, Mute zu deaktivieren usw. In der zweiten Radioversion wird dies alles und mehr möglich sein.
Hier noch einige Bilder des (vorläufigen) Aufbaus.
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