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Wumpus-Gollum-Forum von "Welt der Radios".
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Poströhre EC8010
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12.01.21 16:18
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

12.01.21 16:18
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

Poströhre EC8010

Hallo zusammen,

Keinerlei Erwähnung findet hier im WGF diese Röhre, eine der zuletzt gefertigten
Röhren von Telefunken und Philips, die aber recht interessant ist:

Eine rauscharme Triode hoher Verstärkung bis 1 GHz

Diese Poströhre findet sich auch in diversen R&S-, Wandel & Goltermann Mess-
geräten u.ä. Eigentlicher Entwicklungszweck waren Verstärker- und Oszillator-
anwendungen bis 1 GHz.

Erste Quellen erwähnen diese Röhrenentwicklung schon 1963. Sie wurde von
1968 bis 1976 hergestellt und ist der amerikanischen 8556 äquivalent.

Poströhren dieser Baureihe wiesen folgende Merkmale auf:

- Ausfallwahrscheinlichkeit 1,5 Promille je 1000 Stunden Betrieb
- Gemittelte Lebensdauer von 10.000 Stunden über 100 Röhren
- Engere Toleranzen vergleichen mit Rundfunkröhren
- Vibrationsfestigkeit von 2,5G bei 50 Hz
- Stossfestigkeit kurzzeitig bis zu 500G Beschleunigung

Vermutlich gab es eine Arbeitsteilung zwischen Telefunken (EC8020) und Philips/Valvo
(EC8010). Ungestempete Exemplare gingen nach Siemens, Bosch und zu Firmen
ins Ausland.

Die Röhre hat neben ihrer ursprünglichen Verwendung in Gitterbasisschaltung
als z.B. rauschärmster Breitbandverstärker weitere bemerkenswerte Eigenschaften:

- grosse Steilheit 28mA/V (EC8020: 60mA/V!)
- hohe Ausgangsleistung im Wattbereich (max. Anodenverlustleistung 4,2W)
- praktisch keine Mikrofonie

Besonders der letzte Punkt rief die Audiophilisten auf den Plan, die den
Markt der "grossen Schwester" EC8020 leerkauften und Fantasiepreise um 1000
Euro/Stück bezahl(t)en.

Das kleine pinkompatible Exemplar EC8010 ist dagegen noch zu vernünftigen Preisen erhältlich.
Bilder der einzigartig kleinen und robusten Konstruktion kann man bei Thomas Mayer
einsehen:

https://vinylsavor.blogspot.com/2015/12/...nth-ec8010.html

Das Steuergitter (Spanngitter) ist so fein, dass es optisch nur mit einer 30-fachen
Vergrösserung sichtbar ist.



Die Bezeichung Gabl., die man auf der Rückseite der Röhre vorfindet, bedeutet übrigens
Garantieablösung. Die Deutsche Bundespost kaufte die Röhre in 100-er Packungen mit Rabatt
und übernahm im Fernmeldezentralzeugamt Göttingen in einem eigenen Röhrenprüffeld
stichprobenweise die Prüfung dieser Röhren. Man verzichtete im Schadensfall, der sehr selten
eintrat, auf jegliche Garantie.

Natürlich hat mich auch interessiert, wie sich eine EC8010 in meinem Versuchsaudion
schlägt. Mit einem Wort: garnicht! Die hohe Grenzfrequenz und Steilheit der
Röhre macht einen sinnvollen Betrieb wegen der Instabilitäten ohne besondere Schwingschutz-
Massnahmen unmöglich. Schliesslich war sie für Gitterbasisbetrieb in UHF-Verstärkern
konzipiert. Selbst bei einer Unterheizung und nur 10V Anodenspannung gab es
zeitweise wilde Schwingungen.

Im Funke W19 Röhrenprüfgerät habe ich folgende Anodenströme für Ug=0 ermitelt:

100 V - 22,5 mA
60 V - 9,75 mA
30 V - 4,75 mA
10 V - 1,25 mA



Gruss
Walter

Nachtrag:
Die Kathodenbeschichtung war so gestaltet, dass längerer Heizbetrieb ohne Anodenstrom nicht
zu einer Reduzierung der Emission führen konnte.

Zuletzt bearbeitet am 15.01.21 13:00

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Valvo_EC8010.jpg Valvo_EC8010.jpg (8x)

Mime-Type: image/jpeg, 266 kB

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13.01.21 09:51
Reflex-Kalle 

WGF-Nutzer Stufe 2

13.01.21 09:51
Reflex-Kalle 

WGF-Nutzer Stufe 2

Re: Poströhre EC8010

Wenn man ins Datenblatt der EC8010 von Telefunken schaut



dann ist die Röhre entweder vollkommen verbraucht und hat nur noch ca. 50% oder es gilt der bekannte Grundsatz: Wer misst, misst Mist.

Gruß

(Reflex-)Kalle

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EC8010.png EC8010.png (3x)

Mime-Type: image/png, 26 kB

13.01.21 10:16
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

13.01.21 10:16
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

Re: Poströhre EC8010

Guten Morgen zusammen.

Die Anodenspannungen bei dem W19 sind nicht stabil bei Belastung. Ausgenommen sind die 150V, wenn Glimmstabi leuchtet.

Daher bitte kontrollieren, welcher tatsächlicher Wert gemessen wird und dann vergleichen mit den angegebenen Strömen im Kennlinienfeld.

Bekanntlich muss man bei diesen steilen Röhren mit Selbsterregung rechnen. Funke hat da nichts vorgesehen, um das zu verhindern, oder irre ich mich da?

Gruß aus NL, Wolfgang

13.01.21 10:54
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

13.01.21 10:54
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

Re: Poströhre EC8010

Hallo zusammen,

man kann an vielen Stellen im Netz nachlesen und nachvollziehen, dass der Funke W19 kein wirkliches Messgerät, sondern ein Prüfgerät ist. Daher sind in erster Linie nicht die Kennlinienfelder des Herstellers, sondern die Prüfkarte des Prüfgeräts interessant:



Wolfgang hat mit seinem Hinweis völlig Recht, dass das Gerät nur bei 150V einigermassen plausible Anodenströme anzeigt, allerdings sinkt die Spannung bei 30mA Belastung bereits um fast 10 Volt ab. Der Glimmstabi ist nicht ideal, auf ihm basieren aber die Prüfkarten, sodass eine Modifikation nicht sinnvoll erscheint.



In seltenen Fällen kommt es vor, dass Röhren im Funke Selbsterregung zeigen. Dann sind die angezeigten Werte meistens zu hoch und ändern sich, wenn man die Röhre mit der Hand umfasst. Bei der EC8010 trat das aber nicht auf. Abblock-Kondensatoren an den Fassungen sind nicht zu erkennen, allerdings dürften die Kabelbäume in ihrer Führung hilfreich sein:



Ich habe die Röhre im Funke kurzzeitig mit 150 und 200 Volt belastet und bekam die Anzeige 50 und 80 mA. Es ist durchaus möglich, dass die Röhre ihre 10.000 Stunden schon gebrannt hat. Es war damals gängige Praxis, die Röhren nach genau einem Jahr auszutauschen, wenn sie im Dauerbetrieb waren.


Gruss
Walter

Zuletzt bearbeitet am 13.01.21 11:27

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EC8010_W19.jpg EC8010_W19.jpg (1x)

Mime-Type: image/jpeg, 148 kB

Glimmstabi_W19.jpg Glimmstabi_W19.jpg (2x)

Mime-Type: image/jpeg, 137 kB

Funke_W19_Innen.JPG Funke_W19_Innen.JPG (2x)

Mime-Type: image/jpeg, 190 kB

13.01.21 13:08
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

13.01.21 13:08
WoHo 

WGF-Premiumnutzer

Re: Poströhre EC8010

Ok Walter

Deine EC8010 misst 22,5 mA = GUT

Nun würde uns noch interessieren, was ist dabei die reduzierte Ua ?

Nach der von Kalle eingestellten Kennlinienschar sollten das dann etwa 60V sein....



Gruß aus NL

Zuletzt bearbeitet am 13.01.21 13:09

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EC8010.png EC8010.png (3x)

Mime-Type: image/png, 32 kB

13.01.21 16:50
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

13.01.21 16:50
WalterBar 

WGF-Premiumnutzer

Re: Poströhre EC8010

Hallo Wolfgang,

so weit fällt die Spannung zwar nicht zusammen, aber fast:



Mit einer -2V-Gittervorspannung fällt die Anzeige auf Null (-> Steilheit!):



Um überhaupt etwas abzulesen, hier mit FS=1mA:



Dieses Ergebnis wird den einen oder anderen schockieren (mich eingeschlossen), aber man darf nicht übersehen, dass

1. nur wenige Röhren mit <= 100 Volt und so hohen DC-Strömen gemessen werden
2. Röhren mit wirklich hohem Stromkonsum im Wechselstrom-Modus geprüft werden.

Danke für dein "Nachharken", ich wäre wahrscheinlich sonst zu faul gewesen die Sapnnungen zu messen.
Inzwischen habe ich zwei weitere Röhren dieses Typs gemessen, eine mit etwas geringerem Strom und die andere mit etwas höherem Strom (21/25mA).


Gruss
Walter

Zuletzt bearbeitet am 14.01.21 11:47

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EC8010_W19_12.jpg EC8010_W19_12.jpg (2x)

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EC8010_w19_13.jpg EC8010_w19_13.jpg (2x)

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EC8010_w19_13_1mA.jpg EC8010_w19_13_1mA.jpg (2x)

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